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S-Bahn-Ringschluss: Gotz erwägt Bürgerentscheid

S-Bahn-Ringschluss: Gotz erwägt Bürgerentscheid

Erding - Im Streit um Ringschluss und Walpertskirchener Spange ist es Bürgermeister Max Gotz gelungen, die Reihen im Stadtrat wieder zu schließen. Das Gremium will vom Wirtschaftsminister endlich Zahlen. Gotz kann sich einen Bürgerentscheid vorstellen. Neu im Spiel: eine dritte Variante.

© Hans Moritz

Die Erdinger sind an der Zukunft ihrer Stadt sehr interessiert. Die Stadträte diskutierten am Dienstag vor großem Publikum über ihre Haltung zu S-Bahn-Ringschluss und Walpertskirchener Spange respektive deren Linienführung durch die Stadt

Kein Thema erregt in Erding derzeit auch nur ansatzweise so die Gemüter wie die Frage, auf welcher Trasse der S-Bahn-Ringschluss und die Regionalbahn durch Erding geführt werden. Der Stadtrat diskutierte am Dienstag vor zahlreichen Zuschauern zwei Stunden lang den aktuellen Stand. Unter den Zuhörern waren Vertreter beider Bürgerinitiativen.

Am Ende bestand über die zentralen Punkte (wieder) Einigkeit: Endgültig entscheiden will man erst, wenn beide Trassen anhand von Zahlen vergleichbar sind. Diese sollen Ministeriumsvertreter möglichst bald vor Ort vorlegen erklären. Beide Trassen sind gemäß bisher bekannter Planung für die Stadträte inakzeptabel. Eine oberirdische Gleisführung wird weiter kategorisch abgelehnt.

Bürgermeister weist Kritik scharf zurück

Zu Beginn wies Bürgermeister Max Gotz (CSU) die Kritik von Hans Egger (Erding Jetzt) und Harald Ebert (FDP) zurück, er verhandle nicht im Interesse des Stadtrates und halte Informationen zurück. Beide ging er scharf an und betonte erneut: „So lange wir vom Wirtschaftsministerium keine Zahlen, vor allem die Kosten-Nutzen-Analyse vorgelegt bekommen, bleiben wir beim Beschluss pro Nordeinschleifung und Fliegerhorst-Bahnhof.“ Er lasse sich nicht drängen, „schon gar nicht von Minister Martin Zeil und Ministerpräsident Horst Seehofer. Die haben wohl aus Stuttgart 21 nichts gelernt“, schäumte der Rathauschef. Er erinnerte, „dass im Ministerium schon 20 Jahre lang nur rumgeeiert wird“.

SPD-Fraktionschef Hans Schmidmayer sprang Gotz bei. Er erklärte: „Die SPD fühlt sich hintergangen, allerdings vom Ministerium, nicht vom Bürgermeister.“ Dem sprach er das Vertrauen aus. CSU-Fraktionsvorsitzender Jakob Mittermeier hielt Egger vor, ein Misstrauensvotum gegen Gotz ausgesprochen zu haben. Das sei nicht tragbar. Egger erwiderte, er sei wohl falsch verstanden worden.

In diesem Zusammenhang warnte Rainer Mehringer (UWE) vor einer Spaltung. „In München warten sie nur darauf, dass wir uns zerstreiten.“ Auch Günther Kuhn (Grüne) mahnte an, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Inhaltlich sei man doch gar nicht so weit auseinander.

© Deutsche BahnDas Gremium einigte sich darauf, bis zur Vorlage neuer Zahlen beim Beschluss pro Nordeinschleifung und Fliegerhorst-Bahnhof festzuhalten. Es ist erklärtes Ziel der Staatsregierung, auch die Regionalbahn an den Flughafen München anzubinden. Doch die Züge des Nahverkehrs würden die Belastung massiv erhöhen. Eine oberirdische Gleisführung scheidet daher für die Räte aus.

Sehr schnell war im Gremium Einvernehmen hergestellt, dass Gotz bei seinem nächsten Termin in München die Ministerialen nach Erding einladen soll, um endlich Zahlen zu bekommen. Gotz will das noch im Februar beziehungsweise März über die Bühne bekommen. Der Zeitdruck sei schon deswegen unangebracht, „weil es hier um eine Entscheidung historischer Dimension geht“. Er könne sich gut vorstellen, einen Bürgerentscheid dazu einzuleiten.

Gotz wies erneut auf die Schwächen der Südeinschleifung, sprich der Durchleitung von S-Bahnen und Regionalzügen und später eventuell sogar Güterverkehr quer durch die Stadt hin. Als neues Argument führte er in die Debatte ein, die Regionalbahnen würden Erschütterungen auslösen, die fürs Rechenzentrum Amadeus extrem gefährlich seien. Er machte aber auch klar, sich einer neuen Debatte nicht zu verschließen, wenn man endlich alle Zahlen habe.

Egger plädierte einmal mehr dafür, die Südtrasse nicht vorschnell zu verdammen. „Eine optimierte Trasse kann uns doch dabei helfen, die S-Bahn stadtverträglich durch Erding zu führen“, sagte er. Bei Nordeinschleifung und externem Regionalbahnhof werde sich auf der bestehenden S-Bahn-Trasse nichts tun – und das trotz deutlich mehr Verkehrs. Auch brachte Egger die hohen Rücklagen der Stadt ins Spiel, die man dem Entwurf des Ministeriums obendrauf setzen könne. Damit zog er sich erneut den Unmut Gotz’ und Mittermeiers zu. „Wir zahlen gar nichts, denn nicht wir haben den Flughafen ins Erdinger Moos gestellt und dann nichts mehr für die Erschließung getan.“ Mittermeier erklärte, es sei „schädlich“, jetzt schon eigene Mittel ins Spiel zu bringen.

Josef Erhard (CSU) erinnerte an „Pfund, das wir möglichst teuer verkaufen müssen – die raumgeordnete Nordeinschleifung“. Er sieht die Staatsregierung im Zugzwang: „Nach Bekanntwerden der Regionenstudie, die ganze Landesteile im Abseits sieht, muss der Freistaat handeln“. Die Stärkung dieser Regionen sei alternativlos, „und dafür braucht man leistungsfähige Verkehrswege in die Boom-Regionen“.

Neue Bohrungen angekündigt

Mittermeier mahnte an, sich von München nicht verrückt machen zu lassen. Wie Erhard erinnerte auch er an die Aussage von Hans-Peter Göttler, Bahnexperte im Wirtschaftsministerium, dass noch keine Variantenentscheidung gefallen sei und es auch keine Präferenz gebe. „Auch wenn aus den Äußerungen Zeils und Seehofers jetzt etwas anderes hervorgeht, muss das noch nichts heißen“, so der frühere Landtagsabgeordnete. „Vor sechs Jahren hat es noch geheißen, der alte Erdinger Bahnhof sei nicht entwicklungsfähig. Jetzt ist er es doch wieder.“ An seine Kollegen appellierte er, standhaft zu bleiben. Erhard ging noch weiter: „Mein Eindruck ist, dass München versucht, die Nordeinschleifung madig zu machen.

Diesen Faden griff Burkhard Köppen (CSU) auf. „Ich glaube der Rechnung nicht, dass die Südvariante so viel billiger ist. Denn es handelt sich um die billigste Lösung.“ Rechne man Tieferlegungen und die Beseitigung von Übergängen hinzu, komme man auf ein höheres Volumen. Dass die Südeinschleifung wohl tatsächlich noch nicht zu Ende geplant ist, dafür sprechen Briefe, von denen Fritz Bauschmid (CSU) berichtete: „Anrainern wurden neue Testbohrungen angekündigt.“

Schmidmayer brachte eine dritte Variante ins Spiel, nämlich Gleise an Erding vorbei zu einem Verknüpfungsbahnhof im Norden. Damit trage man einer Planung Rechnung, die Generationen voraus denkt. Der Verkehr werde so aus dem Zentrum geholt.

Hans Moritz

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