Erding - Im Streit um Ringschluss und Walpertskirchener Spange ist es Bürgermeister Max Gotz gelungen, die Reihen im Stadtrat wieder zu schließen. Das Gremium will vom Wirtschaftsminister endlich Zahlen. Gotz kann sich einen Bürgerentscheid vorstellen. Neu im Spiel: eine dritte Variante.

© Hans Moritz
Die Erdinger sind an der Zukunft ihrer Stadt sehr interessiert. Die Stadträte diskutierten am Dienstag vor großem Publikum über ihre Haltung zu S-Bahn-Ringschluss und Walpertskirchener Spange respektive deren Linienführung durch die Stadt
Kein Thema erregt in Erding derzeit auch nur ansatzweise so die Gemüter wie die Frage, auf welcher Trasse der S-Bahn-Ringschluss und die Regionalbahn durch Erding geführt werden. Der Stadtrat diskutierte am Dienstag vor zahlreichen Zuschauern zwei Stunden lang den aktuellen Stand. Unter den Zuhörern waren Vertreter beider Bürgerinitiativen.
Am Ende bestand über die zentralen Punkte (wieder) Einigkeit: Endgültig entscheiden will man erst, wenn beide Trassen anhand von Zahlen vergleichbar sind. Diese sollen Ministeriumsvertreter möglichst bald vor Ort vorlegen erklären. Beide Trassen sind gemäß bisher bekannter Planung für die Stadträte inakzeptabel. Eine oberirdische Gleisführung wird weiter kategorisch abgelehnt.
SPD-Fraktionschef Hans Schmidmayer sprang Gotz bei. Er erklärte: „Die SPD fühlt sich hintergangen, allerdings vom Ministerium, nicht vom Bürgermeister.“ Dem sprach er das Vertrauen aus. CSU-Fraktionsvorsitzender Jakob Mittermeier hielt Egger vor, ein Misstrauensvotum gegen Gotz ausgesprochen zu haben. Das sei nicht tragbar. Egger erwiderte, er sei wohl falsch verstanden worden.
Gotz wies erneut auf die Schwächen der Südeinschleifung, sprich der Durchleitung von S-Bahnen und Regionalzügen und später eventuell sogar Güterverkehr quer durch die Stadt hin. Als neues Argument führte er in die Debatte ein, die Regionalbahnen würden Erschütterungen auslösen, die fürs Rechenzentrum Amadeus extrem gefährlich seien. Er machte aber auch klar, sich einer neuen Debatte nicht zu verschließen, wenn man endlich alle Zahlen habe.
Egger plädierte einmal mehr dafür, die Südtrasse nicht vorschnell zu verdammen. „Eine optimierte Trasse kann uns doch dabei helfen, die S-Bahn stadtverträglich durch Erding zu führen“, sagte er. Bei Nordeinschleifung und externem Regionalbahnhof werde sich auf der bestehenden S-Bahn-Trasse nichts tun – und das trotz deutlich mehr Verkehrs. Auch brachte Egger die hohen Rücklagen der Stadt ins Spiel, die man dem Entwurf des Ministeriums obendrauf setzen könne. Damit zog er sich erneut den Unmut Gotz’ und Mittermeiers zu. „Wir zahlen gar nichts, denn nicht wir haben den Flughafen ins Erdinger Moos gestellt und dann nichts mehr für die Erschließung getan.“ Mittermeier erklärte, es sei „schädlich“, jetzt schon eigene Mittel ins Spiel zu bringen.
Josef Erhard (CSU) erinnerte an „Pfund, das wir möglichst teuer verkaufen müssen – die raumgeordnete Nordeinschleifung“. Er sieht die Staatsregierung im Zugzwang: „Nach Bekanntwerden der Regionenstudie, die ganze Landesteile im Abseits sieht, muss der Freistaat handeln“. Die Stärkung dieser Regionen sei alternativlos, „und dafür braucht man leistungsfähige Verkehrswege in die Boom-Regionen“.
Mittermeier mahnte an, sich von München nicht verrückt machen zu lassen. Wie Erhard erinnerte auch er an die Aussage von Hans-Peter Göttler, Bahnexperte im Wirtschaftsministerium, dass noch keine Variantenentscheidung gefallen sei und es auch keine Präferenz gebe. „Auch wenn aus den Äußerungen Zeils und Seehofers jetzt etwas anderes hervorgeht, muss das noch nichts heißen“, so der frühere Landtagsabgeordnete. „Vor sechs Jahren hat es noch geheißen, der alte Erdinger Bahnhof sei nicht entwicklungsfähig. Jetzt ist er es doch wieder.“ An seine Kollegen appellierte er, standhaft zu bleiben. Erhard ging noch weiter: „Mein Eindruck ist, dass München versucht, die Nordeinschleifung madig zu machen.
Diesen Faden griff Burkhard Köppen (CSU) auf. „Ich glaube der Rechnung nicht, dass die Südvariante so viel billiger ist. Denn es handelt sich um die billigste Lösung.“ Rechne man Tieferlegungen und die Beseitigung von Übergängen hinzu, komme man auf ein höheres Volumen. Dass die Südeinschleifung wohl tatsächlich noch nicht zu Ende geplant ist, dafür sprechen Briefe, von denen Fritz Bauschmid (CSU) berichtete: „Anrainern wurden neue Testbohrungen angekündigt.“
Schmidmayer brachte eine dritte Variante ins Spiel, nämlich Gleise an Erding vorbei zu einem Verknüpfungsbahnhof im Norden. Damit trage man einer Planung Rechnung, die Generationen voraus denkt. Der Verkehr werde so aus dem Zentrum geholt.
Hans Moritz
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