Erding - Für den Stadtrat von Erding sind die Pläne des Wirtschaftsministeriums für Ringschluss und Walpertskirchener Spange nicht akzeptabel.

© Veronika Fläxl
Hartnäckig nachgefragt: Die Stadträte setzten sich in der Stadthalle sehr kritisch mit den Darstellungen des Wirtschaftsministeriums auseinander. In vielen Punkten sehen sie die Interessen Erdings zu wenig berücksichtigt.
Hans-Peter Göttler vom Wirtschaftsministerium, Planer Jürgen Kordes und Wolfgang Schneider vom Institut Intraplan hatten am Donnerstag in der Stadthalle keinen leichten Stand. Zwar war die Bereitschaft zur Zusammenarbeit da, Bürgermeister Max Gotz und die Stadträte zerpflückten aber jedes Detail dessen, was Göttler vorstellte.
Lösungen für Altenerding und Bergham sowie Lärmschutzmaßnahmen mahnten die Vertreter Erdings an. Offen in Frage stellten sie die Zähl- und Rechenweise sowie die Prognosen, die zur Entscheidung pro Südeinschleifung geführt hatten. SPD-Fraktionschef Hans Schmidmayer brachte die sechs Stunden lange Debatte auf den Punkt: „Ich könnte mich mit der Südvariante anfreunden, aber sicher nicht in der uns vorgelegten Form.“
Zu Beginn der Fragerunde hatte Gotz betont, das Ministerium müsse dem Stadtrat Zeit geben, die Fakten zu hinterfragen und zu diskutieren. „Dann muss aber eine Entscheidung her“, sagte der Stadtchef. Mit Blick auf zusätzliche Tunnels, Tieferlegungen und zu beseitigende Bahnübergänge stellte er klar: „Was wir für Erding fordern, sind keine Sonderwünsche, sondern Notwendigkeiten im Sinne der Stadtentwicklung.“
Im Brennpunkt stand der Bahnübergang in Altenerding. Göttler und Kordes rechneten vor, dass die insgesamt zwölf Züge pro Stunde und Richtung zu einer Schrankenschließzeit von 21 Minuten an der Bahnhofsstraße führen würden. Damit sei eine Tieferlegung des Gleises nicht machbar, weil nicht zuschussfähig. Eine intelligentere Schaltung, so Göttler, würde zu einer Schließzeit pro Zug von maximal zwei Minuten führen. Diese Kalkulation stellten CSU-Fraktionschef Jakob Mittermeier und andere offen in Frage. Dagegen spreche die Erfahrung mit weniger Zügen.
UWE-Fraktionssprecher Rainer Mehringer wollte wissen, ob sich der Flughafen, sprich der Freistaat Bayern, an dem Projekt beteilige. Göttler: Der Freistaat trage die Hälfte der Kosten, nicht der Airport selbst. Zusätzliche Gelder seien nicht zu erwarten, „denn wir dürfen nicht mehr leisten als es die Förderrichtlinien erlauben“. Göttler riet aber, sich an den Nachbarschaftsbeirat zu wenden, um Gelder aus dem Umlandfonds der FMG zu bekommen. Gotz berichtete, sogar FMG-Chef Michael Kerkloh sehe Handlungsbedarf. „Von einigen FMG-Aufsichtsratsmitgliedern würde ich mir etwas mehr Engagement wünschen“, so Gotz.
Angesichts der fehlenden Elektrifizierung der Strecke München-Mühldorf fragte Günther Kuhn (Grüne), ob man aus Gründen des Zeitgewinns nicht vorläufig den Ringschluss ohne die Walpertskirchener Spange bauen könne. Generell bezweifle er wegen der hohen Kosten die Realisierung. Göttler erklärte, das Projekt befinde sich weiterhin in der höchsten Prioritätsstufe. Sollte München den Zuschlag für Olympia bekommen, seien zudem Sonderprogramme zu erwarten. Er machte aber auch klar, dass beide Projekte nur verknüpft darstellbar seien. Göttler brachte die zweite Stammstrecke als Basis ins Spiel. „Ohne die schaffen wir den 15-Minuten-Takt nicht.“ Er gehe davon aus, dass dies spätestens 2020 der Fall sein müsse. „Alles andere wäre eine Bankrotterklärung.“
Roswitha Bendl (ÖDP) erkundigte sich wie viele ihrer Kollegen nach dem Güterverkehr sowie nach Lärmschutzmaßnahmen. Mehrfach versicherte Göttler: „Güterzüge sind hier nicht vorgesehen.“ Zum Lärmschutz musste Kordes zugeben: „So weit sind wir noch nicht, das wird gegenwärtig ermittelt.“ Zu Bendls Frage, wer die größeren Park & Ride-Anlagen bezahle, erklärte Göttler: „Das ist eine kommunale Aufgabe an. Ich biete Erding aber die Zusammenarbeit an.“
Josef Hochholzer (UWE) erkundigte sich nach Möglichkeit und Sinnhaftigkeit, die Bahnhöfe Altenerding und Aufhausen zusammenzulegen. Schneider erinnerte an die gute Lage in Altenerding unter anderem im Bezug aufs Krankenhaus. Eine Kombistation halte er nicht für nötig. Hochholzer und unter anderem Burkhard Köppen (CSU) widersprachen mit Hinweis auf die Siedlungsdichte in Altenerding-Süd.
Verwunderung herrschte darüber, dass das Ministerium neuerdings dem bisherigen Endhaltebahnhof Erding große Bedeutung beimisst und ihm klaren Vorrang vor dem Fliegerhorst-Kreuzungsbahnhof einräumt. Josef Biller wies auf die begrenzte Erreichbarkeit für Busse und Autos hin. Josef Erhard (beide CSU) äußerte gar den Verdacht, die Berechnungen seien dem Wunschergebnis angepasst worden. Dem widersprach Göttler vehement.
„Und wie soll es jetzt weitergehen?“, fragte Harald Ebert (FDP). Göttler schlug vor, bei der Planung der Trasse durchs Stadtgebiet zu kooperieren und alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen. Dazu regte er eine städtebauliche Planungsvereinbarung mit Erding an. Er wollte auch nicht ausschließen, doch noch die Beseitigung des Übergangs in Bergham/Aufhausen zu erreichen. Er bat aber darum, den Bestand des Übergangs Bahnhofstraße zu akzeptieren.
Hans Moritz
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