Erding - Das Wirtschaftsministerium hält an der Südvariante der Walpertskirchener Spange und damit am bestehenden Bahnhof fest. Im Stadtrat wurden die aktuellen Pläne vorgestellt. Die Enttäuschung war aber auch aus anderen Gründen groß.

© Günter Herkner
Der Bahnhof in Altenerding ist ein Knackpunkt bei der Südeinschleifung des S-Bahn-Ringschlusses.
Die Entscheidung, die Stadtratssitzung zum S-Bahn-Ringschluss mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums in die Stadthalle zu verlegen, erwies sich als richtig. Knapp 400 Bürger verfolgten die sechsstündige Debatte. Hans-Peter Göttler, Chefplaner des Wirtschaftsministeriums, stellte klar, auch die Überarbeitung und Konkretisierung der Pläne habe keine Änderung ergeben. „Wir favorisieren weiter die Südeinschleifung und empfehlen, die Nordvariante mit Fliegerhorst-Bahnhof aufzugeben.“ Es sei zwar noch keine Entscheidung gefallen, Göttler machte aber deutlich, dass ein anderes Votum als das zur Südlösung das gesamte Projekt kippen könnte.
Kosten-Nutzen-Faktor spricht für Südeinschleifung
Der zentrale Wert war der Kosten-Nutzen-Faktor, der über Wohl oder Wehe eines Projekts beziehungsweise dessen Finanzierung und Förderung entscheidet. Dieser Faktor sagt aus, ob der Gewinn aus einem Projekt höher ist als der dafür eingesetzte Aufwand. Für die Nordeinschleifung mit Kreuzungsbahnhof im Fliegerhorst hat das Ministerium einen Wert von 1,05 errechnet, für die Südeinschleifung mit ausgebautem und tiefergelegtem Stadtbahnhof hingegen 1,19.
Dazu erklärte Göttler, dass Ringschluss und Spange nur mit Hilfe von Bundesmitteln realisierbar seien. „Bei der Nordeinschleifung könnte die Förderung wegfallen, weil es eine bessere Variante gibt und kaum Reserven für Kostenrisiken vorhanden sind“, so Göttler. Als weitere Vorteile der Südeinschleifung nannte er die Auflösung des Bahnübergangs Haager Straße, der Erhalt des zentralen Bahnhofstandorts, die unterirdische Trassenführung auf einer Länge von 2200 Metern im nördlichen Stadtbereich sowie ein geringerer Flächenverbrauch.
Stadtbahnhof soll deutlich mehr Passagiere haben als einer am Fliegerhorst
Schneider begründete diese Diskrepanzen mit der zentraleren Lage des bestehenden Bahnhofs. Über die genaue Erhebungs- und Berechnungsmethode schwieg er sich aus - was ihm Kritik von Bürgermeister Max Gotz und Stadträten einbrachte.
Tunnel: Enttäuschung
Wer hoffte, das Ministerium würde den Erdingern mit längeren Tunnels entgegenkommen, wurde enttäuscht. Hier legte Göttler die Planung vor, die er bereits im Juli vorigen Jahres im Stadtrat vorgestellt hatte. Nachdem auch daran Kritik laut wurde, erklärte der leitende Beamte: „Mehr ist einfach nicht drin. Das ist nicht förderfähig.“ Damit bezog er sich auf die geplante Auslastung der Strecke, die ab Amadeus in Aufhausen von S-Bahnen und Regionalzügen befahren wird. Insgesamt sind laut Planer Jürgen Kordes zwölf Verbindungen vorgesehen: vier S-Bahnen im 15-Minuten-Takt sowie zwei Regionalzüge pro Stunde und Richtung.
Für Widerspruch sorgte der Hinweis Kordes’ und Göttlers, dass man den Übergang Bahnhofstraße in Altenerding aus denselben Gründen nicht beseitigen werde beziehungsweise könne. „Das Problem haben wir in vielen Städten. Ich kann hier schon aus Gründen der Gleichbehandlung nicht anders entscheiden“, so Göttler.
Dennoch reichte er der Stadt die Hand. Er regte eine städtebauliche Planungsvereinbarung an, um vor allem das Umfeld rund die Bahnhöfe zu gestalten beziehungsweise größere Park & Ride-Anlagen zu realisieren.
2020 ist realistisch
Gotz erklärte, der Stadtrat müsse die Informationen nun verarbeiten und nachrechnen, um dann eventuell eine Entscheidung pro Südvariante zu fällen. Er stellte klar: „Wir wollen Ringschluss und Regionalbahnanbindung.“ Zuvor hatte Göttler erklärt, warum das Ministerium von seiner ursprünglichen Fliegerhorst-Variante abgerückt sei. „Die tiefere Planung hat gezeigt, dass wir damit falsch gelegen sind.“ Er machte aber auch deutlich, dass die Umsetzung noch Jahre dauern werde. „Voraussetzung ist die zweite Stammstrecke in München.“ Die werde wohl frühestens 2020 realisiert sein.
Hans Moritz
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