Flughafen - Taxifahren am Flughafen ist wie im Theaterstück „Warten auf Godot". Während der überhaupt nicht kommt, wird dem Taxifahrer gelegentlich ein Passagier beschert. Die Wartezeit vertreibt man sich mit einem Plausch. Nach Stunden des Wartens kann es da aber recht ruppig werden.
Zwei Kollegen trafen sich nun in einem Beleidigungsverfahren vor dem Amtsgericht Erding. Richterin Ulrike Folk stellte mit Einverständnis der Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. „Jeder hat etwas anderes wahrgenommen“, bilanzierte sie. Die Geldauflage zugunsten der Brücke Erding, konnte der Angeklagte Ersin K. (Namn geändert) in langer Diskussion von 900 auf 200 Euro herunterhandeln.
Am 30. August 2008 drängten als sich alle Fahrer am Taxispeicher, während Fahrgäste nur spärlich aus dem Terminal tröpfelten. Nach sechs Stunden Wartezeit durfte der Münchner Ersin K. ein paar Fahrzeuglängen vorrücken. Doch der 36-Jährige brachte erst gemächlich seine Teetasse zum Kiosk.
Zwar räumt die Taxlerin ein, dass damals „die rauen Sitten etwas rauer wurden“. Daraufhin habe Ersin K. losgetobt und versucht, ihr eine brennende Zigarette in den Ausschnitt ihres Sommerkleides zu schnippen. Sie sei so erschrocken, dass sie zurücksprang und mit dem Fuß an die Fahrertüre ihres Kontrahenten kam. Der Angeklagte will seine Zigarette selbstverständlich nur nach hinten geworfen haben. Er ist der Meinung, sie habe die Tür zugetreten, so dass er gerade noch seinen Fuß retten konnte.
Die Anzeigen erfolgten zeitgleich. Der Polizist, der den Schaden fotografierte, vergaß, die Abzüge zu den Akten zu geben, und die Datei wurde gelöscht. Die Richterin interessierte an dieser Stelle nur noch, ob es sich denn überhaupt lohne, sechs Stunden auf einen Fahrgast zu warten. „Schon hart“, sagte die Taxlerin, „aber wenn man Glück hat, dann will der nach Salzburg“. (gse)
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