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Die Bibber-Kälte: Brauchen wir jetzt den Alarmplan Winter?

Die Bibber-Kälte: Brauchen wir jetzt den Alarmplan Winter?

Fürstenfeldbruck - Die klirrende Kälte macht zunehmend den Autofahrern zu schaffen.

Weil sich die Polizei gestern vermehrt um völlig unterkühlte Insassen von Pannenfahrzeugen kümmern musste, prüfte die Integrierte Leitstelle Fürstenfeldbruck (ILS) sogar die Ausrufung des Alarmplans Winter.

Besonders schlimm ist es auf Autobahnen. „Die Kollegen sind gestern praktisch von einem Pannenfahrzeug zum nächsten gefahren“, sagt Klaus Eiblmeier von der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Fürstenfeldbruck. Sie ist zuständig für Teile der A 8, A 96 und A 99. Vor allem Pkw und Lkw mit Diesel erwischt es.

Und dann beginnt für die Insassen das Warten auf den Pannendienst. Das kann lange dauern, denn bei der Masse der liegengebliebenen Wagen sind die professionellen Helfer im Dauereinsatz. Für private Verkehrsteilnehmer, ist es viel zu gefährlich, auf Autobahnen zu halten und zu helfen. Also harren die Pannen-Passagiere in ihren Fahrzeugen aus. „Wir hatten bis zu 20 Grad Minus, da wird’s auch drinnen im Auto saukalt“, berichtet Klaus Eiblmeier.

Kurz vor dem Autobahndreieck München Süd-West bei Germering stieß eine Streife auf der A 99 auf eine völlig unterkühlte Mercedes-Fahrerin. Eineinhalb Stunden hatte sie bei ihrem liegengebliebenen Wagen ausgeharrt. Der Rettungsdienst musste alarmiert werden, ein Abschleppdienst wurde für den Wagen geholt. Auch an der Ausfahrt Bruck/Dachau der A 8 versorgten Sanitäter einen unterkühlten Autofahrer. Etwas weiter Richtung Sulzemoos ging es für eine Mutter mit ihrem Kind nicht mehr weiter. Über eine Stunde hatten die zwei bei Minus 18 Grad im Auto gesessen. Eine Polizeistreife fuhr das durchgefrorene Kind schließlich nach Hause ins Warme.

Am besten dran sind noch die Fahrer von liegengebliebenen Lastwagen. Die haben zum einen oft Innenraumheizungen, zum anderen sind sie Profis mit entsprechender Ausrüstung. Autofahrer, die es zum Beispiel auf den Weg ins Büro erwischt, sind dagegen kleidungsmäßig meistens nicht auf einen längeren Aufenthalt in der Kälte eingestellt. „Einer der Liegengebliebenen hatte gestern nur Halbschuhe an“, berichtet Eiblmeier. Bei völlig schnee- und eisfreien trockenen Straßen wären sich viele der extrem winterlichen Verhältnisse gar nicht so bewusst.

Von solchen Meldungen alarmiert handelten die ILS Fürstenfeldbruck und die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt. Es wurde überlegt, den Alarmplan Winter in Kraft zu setzen.

Er besagt, dass Spezialzüge der Rettungsdienste wie Rotes Kreuz, Malteser und Johanniter auf Autobahnen fahren, um Reisende mit Decken und warmen Getränken zu versorgen. Das passiert etwa, wenn nach starken Schneefällen in Staus stundenlang nichts mehr weiter geht.

„Wir haben die Führungskräfte dieser Züge informiert, die sind rausgefahren und haben sich die Situation angeschaut“, erklärt Schichtleiter Florian Scharf von der Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck. Die Prüfer entschieden dann aber, dass der Alarmplan Winter doch nicht ausgerufen werden musste.

Statt dessen wurden die derzeit ständig patroullierenden Polizeiautos der VPI sozusagen in einem kleinen Alarmplan Winter mit warmen Decken ausgestattet.

Zudem rät Klaus Eiblmeier allen Autofahrern zur Vorsorge in eigener Sache auch bei kürzeren Routinefahrten. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte warme Kleidung, Decken und etwas warmes zu Trinken dabei haben. „Wer wirklich in der Kälte liegen bleibt, sollte zudem daran denken, zumindest kurz mal rauszugehen und das Warndreieck aufzustellen.“

Auf den Durchgangsstraßen im Landkreis war die Kälte-Situation gestern entspannter. Lediglich ein Lkw blieb auf der B 2 liegen. Polizeisprecher Michael Fischer und seine Kollegen von der Inspektion Fürstenfeldbruck mussten keine Kälte-Opfer einsammeln. Im Gegensatz zu Autobahnen können an Bundes-, Kreis- und Ortsverbindungsstraßen andere Autofahrer leicht anhalten und gestrandete Passagiere mitnehmen.

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