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Maisach - Auch heute werden Märchen wahr: Ein früheres Mitglied der bekannten Münchner Rock n' Rollband Spider Murphy Gang war im Obdachlosenheim gelandet. Dank eines weiblichen Fans ist er nun wieder auf dem Weg nach oben.

© Kruse
Mit der Gitarre im neuen Zuhause: Frank Trojan auf dem Balkon seiner Retterin in Maisach.
Nicht von allein, es musste ihn schon jemand an der Hand nehmen und da herausführen. Dieser jemand ist Beate Inngauer, Putzfrau und Leiterin der Kleiderkammer in Gröbenzell - sie war vor 30 Jahren einer der größten Fans der Spider Murphy Gang. „Ich kenn' die Jungs noch von damals, als sie noch in Genossenschaftswohnungen lebten", erzählt Beate Inngauer. Eines Tages hat sie gefragt, ob sie einen Freund im Rollstuhl mit ins Konzert nehmen dürfte. Durfte sie, und ab da hatte Beate einen Ehrenplatz, direkt hinter der Bühne.
Vor einem Monat stolperte die 46-Jährige dann über eine tz-Schlagzeile über Franz Trojan: „Mein Leben ist ein Albtraum". Und wusste sofort: Sie muss helfen. Drei Mal hat sie ihn besucht im Heim, Kleidung gebracht, dort aufgeräumt, eingekauft. Beim vierten Mal hat sie ihn mitgenommen: „Ich konnte ihn einfach nicht dort lassen." Dort, bei den Mitbewohnern, die ihm schon um acht Uhr morgens sein „Frühstück" hinstellten: ein Bier. Dort, wo es kein warmes Wasser gab, keine Dusche, nicht einmal Bettlaken. „Dass man darin keine Energie hat, was zu machen, das versteh ich."
Franz Trojan hatte immerhin noch so viel Energie, mitzugehen. Nach Maisach, in eine gemütliche Altbauwohnung, wo er ein Zimmer hat, ein Kanonenofen im Wohnzimmer steht, Ölbilder an der Wand hängen und auf dem Balkon Tomatenstaudenwachsen. Dort, auf den Balkon, hat er sich hingesetzt. Saß zwei Tage lang da und hat auf die Wiesen geschaut. Nichts gesagt, nur geraucht. Und nachgedacht.
„Du rutschst da so schnell rein", sagt er heute. Ob er weiterhin im Heim geblieben wäre, wenn Beate ihn nicht herausgeholt hätte? „Hundertprozentig. Schon nicht leicht, so eine Situation." Nun ist er aber fest entschlossen, sein Leben zu ändern. „Es ist schon ein super Gefühl, wenn andere helfen", sagt der Musiker.´Ein Düsseldorfer etwa hat plötzlich seine Geldstrafe am Gericht bezahlt, ein schwäbischer Hotelier bot dem Obdachlosen einen Job als Hausmeister an. Beate Inngauer gibt ihm ein Zuhause.
„Wir streiten oft, weil sie mir das Bier wegsperrt", sagt Franz Trojan und lacht. „Kalter Entzug heißt das, glaub' ich." Sie schüttelt energisch den Kopf: „Lauwarm ist der eher." Ein, zwei Bier erlaubt sie ihm noch. „Sie hat schon eine harte Art, aber wahrscheinlich brauch' ich das einfach", sagt Trojan. „Ich bin ein labiler Mensch."
Im Moment ist Franz Trojan aber alles andere als das. Im Gegenteil, er lacht viel, erzählt lustige Anekdoten und richtig gute Witze. Er ist zurück im Leben. „Ich hab' immer alles geschafft, was ich wollte", sagt er zuversichtlich. „Und das jetzt, das schaff ich auch. Ich hab' Power." Er hat schon einen Termin bei einer betreuten Wohneinrichtung - natürlich kommt Beate Inngauer mit. „Sie ist die Einzige, die mir hilft."
Der ehemalige Musiker hat schon wieder viele Projekte in der Planung: CD, Buch, Film. Derzeit schreibt Franz Trojan an einer Biografie, zusammen mit dem Schriftsteller Andreas Mäckler. Er hat auch schon wieder einen Plattenvertrag.
Von Nina Praun
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