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Billi Bierling, die Premieren-Frau

Garmisch-Partenkirchen - Drei deutsche Frauen haben bisher den Mount Everest erklommen. Billi Bierling (41) aus Garmisch-Partenkirchen will die vierte werden, und die erste, die es über die Südroute schafft.

Während in Bayern derzeit noch frühsommerliche Temperaturen herrschen, zieht es die gebürtige Garmisch-Partenkirchnerin Billi Bierling, die seit vier Jahren in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu lebt, in eisige Höhen. Vergangene Woche ist sie aufgebrochen, um den 8850 Meter hohen Mount Everest zu bezwingen. Bis zum Basislager in 5350 Metern Höhe legt sie den Weg allein zurück, stößt erst dann auf ihre Expeditionsgruppe unter der Leitung von Russell Brice, die schon einige Tage vorher dort ankam, um sich zu akklimatisieren.

Schafft sie es, den Gipfel zu erreichen, wäre Bierling die erste Deutsche, der es über die Südseite glückt. „Bisher standen nur drei Frauen ganz oben: 1979 Hannelore Schmatz, die beim Abstieg allerdings tragisch ums Leben kam. Nach ihr schaffte es die in New York lebende Münchnerin Helga Hengge am 27. Mai 1999 und später Claudia Bäumler aus Baden-Württemberg. Beide stiegen aber von Tibet aus über die Nordroute auf“, weiß Bierling aus dem Archiv von Elisabeth Hawley, die seit 1963 alles, was mit dem Himalaya zu tun hat, dokumentiert. Bierling arbeitet seit 2004 als Assistentin der inzwischen 84-Jährigen. Nur eine der Tätigkeiten der rastlosen Partenkirchnerin, denn immer wieder lockt es die Fremdsprachenkorrespondentin, Journalistin und Bergsteigerin auch selbst, Expeditionen zu leiten. Dafür hat sie ihr früheres gesichertes Leben in London und später in der Schweiz aufgegeben und in Nepal neu begonnen. „Durch die ständigen Interviews mit Expeditionsteilnehmern, die einen Himalaya-Gipfel besteigen, bin ich bestens informiert.“ 7200 Meter ist bisher ihr persönlicher Höhenrekord, und sie habe sich dabei relativ stark gefühlt, oft den Rucksack anderer noch getragen. „Jetzt bin ich gespannt, wie ich die 8000-Meter-Marke, die sogenannte ‚Todeszone‘, verkrafte.“

Top vorbereitet und trainiert ist die 41-Jährige für die größte Herausforderung ihres Lebens auf alle Fälle. Warum es sie auf den höchsten Gipfel der Welt zieht? „Da kann ich mich nur der Antwort von Georg Leigh Mallory, der es 1924 versuchte, anschließen. Er meinte schlicht: ‚Weil der Berg da ist‘.“

Geht alles gut und spielt das Wetter mit, ist die Expedition Ende Mai zurück in Kathmandu. Bis dahin wird es bange Stunden für Mutter Irene und die gesamte Familie Bierling in Partenkirchen geben. „Das Schlimmste ist die Zeit der Ungewissheit, ohne jegliche Nachricht“, weiß sie. Ihr bleibt nur, der Tochter zusammen mit allen Freunden in der Heimat fest die Daumen zu drücken.

Margot Schäfer

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