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Mount Everest: Südrouten-Bezwingerin Billi Bierling erzählt

Garmisch-Partenkirchen - Als erste deutsche Frau hat Billi Bierling den Mount Everest über die Südroute bezwungen. Jetzt erholt sich die Garmisch-Partenkirchnerin in ihrer Heimat von den Strapazen.

Am Flughafen: (v. l.) Schwester Christiane Schupp, Billi Bierling, Mutter Irene Bierling und Tante Christiane Küchler.

Gleich nach ihrer Rückkehr in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu, wo die 43-Jährige seit vier Jahren lebt und arbeitet, war sie von Journalisten interviewt worden. Am Freitagabend war sie jetzt zu Gast in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens. Bei ihren Medienauftritten stellt Bierling klar: „Ich habe es erfolgreich geschafft, aber die deutsche Bergsteigpionierin Hannelore Schmatz erreichte bereits 1979 über die gleiche Route den Gipfel. Der Abstieg wurde ihr dann allerdings zum Verhängnis.“

Und da hat auch Bierling wieder die Bilder des eigenen Abstiegs vor Augen: „Unglaublich erschöpft und müde, habe ich bei der kurzen Rast nach dem Gipfelsturm verstanden, warum manche Bergsteiger, obwohl das Lager 4 bereits zu sehen ist, hier am Ende ihrer Kräfte aufgeben. Der Aufstieg hat einfach alles abverlangt, und der Gipfel ist eben nur der halbe Weg.“ Sie selbst hatte noch die nötigen Reserven und schaffte mit ihrem Kameraden Dean Staples und zwei Sherpas den Rückweg. „So ganz realisiere ich bis heute noch nicht, dass ich am 21. Mai, 9.30 Uhr bei herrlichem Wetter und 20 Grad minus wirklich auf dem Gipfel der Welt stand“, denkt sie laut nach. „Aber dann sehe ich die vielen bunten Gebetsfahnen um mich herum wieder vor mir. Die Sieben- und Achttausender des Himalaya – manche hatte ich schon bestiegen - lagen auf einmal unter mir, und ich konnte die Krümmung der Erde erkennen.“

Heute ärgert sie sich, dass sie beim Gipfelfoto vergessen hatte, die Sauerstoffmaske abzunehmen, aber das war ihr in dem Augenblick nicht wichtig.

Insgesamt sieben Wochen dauerte die Expedition. „Die lange Zeit ist notwendig, um sich in den einzelnen Lagern auf 5350, 6400, und 7200 Metern Höhe zu akklimatisieren. Vom letzten Höhenlager auf 7900 Metern beginnt dann der Aufstieg.“ Viel hat Bierling bei ihrer Expedition erlebt: unglaubliche Kameradschaft, Rettungsaktionen, Erfrierungen und viel Unprofessionalität. Geblieben ist bei ihr die Ehrfurcht vor dem Mount Everest und der Respekt vor den Sherpas. „Sie sind die wahren Helden, denn sie erleichtern den Aufstieg. Und trotzdem: Hinaufgehen und herunterkommen muss jeder allein. Das ist die große Herausforderung, der ich mich gestellt habe, weil sie mir unglaublich wichtig war“. (msch)

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