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Kurort schlägt Kerner

Bad Bayersoien - Den Sat.1-Film "All you need is love", der überwiegend in Bad Bayersoien gedreht worden ist, sahen am Montagabend bundesweit 3,5 Millionen Fernsehzuschauer.

Die Handlung ist schnell erzählt: Katharina (Saskia Vester) lebt in einem kleinen verträumten Dorf in Bayern. Sie ist außer sich vor Freude, denn ihr Sohn heiratet. Doch „Nicki“ entpuppt sich als junger Mann. Eine Welt bricht für die Frau zusammen. Und im Dorf schlägt ihr blanke Ablehnung entgegen. Nach dem Sturm der Entrüstung löst sich schließlich alles in Wohlgefallen auf: Hans und Nicki heiraten nicht mehr, bleiben aber zusammen . . .

Ganz Bad Bayersoien – mit Ausnahme der Bayern-Fans, die im Pay-TV eine 0:2-Niederlage ihres Vereins mitansehen mussten – saß am Montagabend wohl vor dem Fernseher: Zur besten Sendezeit wurde der überwiegend im Kurort gedrehte „Große Sat.1-Film“ mit dem Titel „All you need is love“ ausgestrahlt. Bundesweit verfolgten 3,52 Millionen Menschen die Komödie; dies entspricht einem Marktanteil von 11,4 Prozent – ein Top-Wert. Damit übertrumpfte man sogar Johannes B. Kerners Talkshow am Montagabend.

Als „humorvoll“ und „sehr gute Werbung für den Ort“ bewertet Bürgermeister Eberhard Steiner den durch Werbeblöcke unterbrochenen 115-Minuten-Film: „Mit der Problematik Homosexualität wird hier auf eine Art und Weise umgegangen, die man sehen kann.“ Dass in dem Streifen diverse Bayern-Klischees (Intoleranz) bedient werden, dieses Gefühl hat Steiner nicht: „Die Leute haben sich ja am Schluss in ihrer Denkweise gewandelt.“

Bisher könne der Rathauschef nur von positiven Reaktionen berichten. Wie schon bei der Vorpremiere zweimal im Dorfstadel, als von den heimischen Zuschauern spontan und viel applaudiert worden sei. Indes hat der Bürgermeister auch erkannt: „Klar, das war leichte Unterhaltung, und keine tiefgehende Handlung mit der Aufarbeitung der Problematik“.

Marlene Sosna, die mit ihrem Mann ein Kurhotel in Soien führt, hat der Film ebenfalls „gut gefallen“, vor allem „die wunderschönen Landschafts- und Luftaufnahmen“ haben es ihr angetan. Nicola Förg, bekannt durch ihre Oberland-Krimis, empfand nicht, dass Sat.1 hier auf die bayerische Intoleranz eingehackt habe: „Auch wenn der Film im Hunsrück oder in der Eifel gedreht worden wäre, wäre das Ergebnis das gleiche gewesen. Wir Bayern machen oft den Fehler, dass wir uns diesen Schuh anziehen.“ Kritischer sieht die Sache Sepp Weingand, seit vielen Jahren Trachtenvorstand in Bad Bayersoien: „Werbung war das für unseren Ort keine, trotz der schönen Landschaftsaufnahmen. Der Inhalt des Films war ein Schmarrn. Dass da nix G’scheites rauskommen kann, hat man doch schon beim Titel wissen können.“ (hut)

Info

Sie haben den Film am Dienstag verpasst? Kein Problem. Am Samstag, 7. November, läuft er nochmal ab 9.10 Uhr auf Sat.1; oder er kann online bis 10. November unter www.sat1.de angeschaut werden.

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