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Mahnmal: Alte Konflikte brechen erneut auf

Mittenwald - Seit Sonntag besitzt Mittenwald ein Mahnmal. Damit sollte ein Zeichen der Aussöhnung gesetzt werden. Doch davon ist man inzwischen wieder meilenweit entfernt.

Geschichtsaufarbeitung als politische Kampagne - nach wie vor bleibt der linksorientierte Arbeitskreis (AK) Angreifbare Traditionspflege seiner medienwirksamen Tradition treu. Dass musste am Sonntag während der würdevollen Einweihung des Mahnmals auf dem Mittenwalder Schulgelände auch der gastgebende Bürgermeister schmerzlich erfahren. Mit versteinertem Blick verfolgte er in der mit rund 200 Zuhörern besetzten Aula die Ausführungen von AK-Sprecher Friedrich Burschel. Ein Mann aus Ebersberg, der in den vergangenen acht Jahren in den Reihen der Demonstranten gegen das Gebirgsjäger-Treffen auf dem Hohen Brendten nicht sonderlich beziehungsweise gar nicht in Erscheinung getreten war. Nach bewährtem Strickmuster geißelte Burschel deutsche Kriegsverbrechen, stellte zwischen Wehrmacht und Bundeswehr einen kausalen Zusammenhang her und rief zum Boykott des Pfingsttreffens auf.

„Mit diesen Aussagen hat sich der Arbeitskreis ganz klar disqualifiziert", meinte gestern Bürgermeister Adolf Hornsteiner. In einer couragierten Rede hatte er sich am Sonntag gegen Pauschalisierung aus dem linken Lager gewandt, ohne sich an diesem „denkwürdigen Tag" im Ton zu vergreifen. Auch Landrat Harald Kühn legte ein klares Plädoyer für „die Menschenrechte und eine wehrhafte Demokratie, zu der selbstverständlich die Bundeswehr gehört", ab.

Vertreter der Armee, der Burschel unter anderem „Gehorsam bis zum Erbrechen" unterstellte, blieben selbst nach diesen Verbalattacken auf ihren Plätzen sitzen und sorgten dafür, dass die Einweihungsfeier nicht aus den Fugen geriet. Kameradenkreis-Präsident Manfred Benkel indes verließ während der Ausführungen des AK-Agitators den Saal und bedauert dies kein bisschen. „Natürlich war die Entscheidung richtig", betonte Benkel 24 Stunden später. Der Oberst a. D. - über 39 Jahre im Dienst - hält Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Bundeswehr für nicht legitim. Mehr noch: „Da hört sich bei mir der Spaß auf!" In Anlehnung an die Erinnerungen des französischen Zeitzeugen und Naziopfers Maurice Cling betont Benkel, dass die unvorstellbaren Verbrechen der Hitler-Diktatur „keinen Vergleich erlauben". Die Berichte Clings, der Auschwitz, Dachau und einen Todesmarsch, der in Mittenwald endete, überlebte,haben Benkel „innerlich bewegt". „Meine Vorstellung ist auch immer gewesen, die Feier auf dem Hohen Brendten als Mahnung zu verstehen." So soll's auch beim nächsten Brendten-Gottesdienst am 9. Mai gehalten werden.

„Ausgerechnet...am 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus wollen die greisen Gebirgsjäger und ihre Unterstützer aus der Bundeswehr ganz ungeniert ...feiern", steht in einem Internet-Aufruf der Angreifbaren Traditionspflege. Wie schon seit acht Jahren werden die Proteste weitergehen. „Es gibt keinen politischen Grund, jetzt die erfolgreiche Kampagne abzubrechen."

Einen erstes Signal, dass auch nach der gemeinsamen Enthüllung des Mahnmals die Zeichen auf Sturm stehen, bot sich Passanten auf dem Bahnhofsgelände. Unbekannte hatten dort laut Polizei bereits in der Nacht auf Sonntag das Elektronische Stellwerk mit folgender Parole beschmiert: „Denkmal bleibt, Ehrenmal weg".

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