Mittenwald - Seit Sonntag besitzt Mittenwald ein Mahnmal. Damit sollte ein Zeichen der Aussöhnung gesetzt werden. Doch davon ist man inzwischen wieder meilenweit entfernt.

Geschichtsaufarbeitung als politische Kampagne - nach wie vor bleibt der linksorientierte Arbeitskreis (AK) Angreifbare Traditionspflege seiner medienwirksamen Tradition treu. Dass musste am Sonntag während der würdevollen Einweihung des Mahnmals auf dem Mittenwalder Schulgelände auch der gastgebende Bürgermeister schmerzlich erfahren. Mit versteinertem Blick verfolgte er in der mit rund 200 Zuhörern besetzten Aula die Ausführungen von AK-Sprecher Friedrich Burschel. Ein Mann aus Ebersberg, der in den vergangenen acht Jahren in den Reihen der Demonstranten gegen das Gebirgsjäger-Treffen auf dem Hohen Brendten nicht sonderlich beziehungsweise gar nicht in Erscheinung getreten war. Nach bewährtem Strickmuster geißelte Burschel deutsche Kriegsverbrechen, stellte zwischen Wehrmacht und Bundeswehr einen kausalen Zusammenhang her und rief zum Boykott des Pfingsttreffens auf.
„Mit diesen Aussagen hat sich der Arbeitskreis ganz klar disqualifiziert", meinte gestern Bürgermeister Adolf Hornsteiner. In einer couragierten Rede hatte er sich am Sonntag gegen Pauschalisierung aus dem linken Lager gewandt, ohne sich an diesem „denkwürdigen Tag" im Ton zu vergreifen. Auch Landrat Harald Kühn legte ein klares Plädoyer für „die Menschenrechte und eine wehrhafte Demokratie, zu der selbstverständlich die Bundeswehr gehört", ab.
„Ausgerechnet...am 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus wollen die greisen Gebirgsjäger und ihre Unterstützer aus der Bundeswehr ganz ungeniert ...feiern", steht in einem Internet-Aufruf der Angreifbaren Traditionspflege. Wie schon seit acht Jahren werden die Proteste weitergehen. „Es gibt keinen politischen Grund, jetzt die erfolgreiche Kampagne abzubrechen."
Einen erstes Signal, dass auch nach der gemeinsamen Enthüllung des Mahnmals die Zeichen auf Sturm stehen, bot sich Passanten auf dem Bahnhofsgelände. Unbekannte hatten dort laut Polizei bereits in der Nacht auf Sonntag das Elektronische Stellwerk mit folgender Parole beschmiert: „Denkmal bleibt, Ehrenmal weg".
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