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Sommerfrische für betuchte Großstädter

Murnau - Das Murnauer Kulturknall-Festival findet heuer auf dem Gelände des in den 70er Jahren abgebrannten Stahlbads statt. Dies war einst eine populäre Badeanstalt.

Auf dieser historischen Aufnahme ist das einstige Murnauer Stahlbad am Staffelsee links unten zu sehen. Das Gebäude brannte 1976 komplett ab. Foto: Menschen helfen

Auf dieser historischen Aufnahme ist das einstige Murnauer Stahlbad am Staffelsee links unten zu sehen. Das Gebäude brannte 1976 komplett ab. Foto: Menschen helfen

Drachenstich, Seidl- und Ainmillerpark, Fiedlerspitz – der Verein Menschen Helfen hat in den vergangenen Jahren mit seinen Kulturknall-Festivals tausende Besucher an die verschiedensten Plätze in und um Murnau gelockt. Nun soll auch das ehemalige Stahlbadgelände mit einem bunten Publikum, Musik und Kunst wiederbelebt werden. Neben seiner mildtätigen Funktion, vor allem bedürftige Kinder im In- und Ausland zu unterstützen, hat der Seehauser Verein sich noch ein weiteres Ziel gesetzt: Vergessene Flecken wieder in Erinnerung zu rufen und mit neuem Leben zu füllen.

Am Wochenende, 25. und 26. Juli, findet das Festival ganz in der Nähe des Staffelseeufers statt, genauer in der Murnauer Bucht oberhalb des Seewaldwegs. Wo sich heute zahlreiche Touristen und auch Einheimische beim Spaziergang oder Radfahren entspannen, urlaubten bereits im 19. Jahrhundert reiche Stadttöchter. Besonders das angeblich eisenhaltige Wasser Murnaus wurde für Trink- und Badekuren empfohlen.

Der Grundstein für den Tourismus in Murnau wurde bereits im Jahr 1868 mit der Gründung des Verschönerungsvereins gelegt. Dieser pflanzte zunächst hunderte Alleebäume entlang des Weges in Richtung See. Unter anderem um den Bachlauf zu kanalisieren, wurden im Laufe der Umgestaltung Wasserrohre aus Eisen verlegt.

Als Murnau 1879 an die Bahnlinie angebunden wurde, strömten immer mehr Touristen in die Marktgemeinde. Im Zuge dessen entstanden am Staffelsee immer mehr kleine Badehäuschen für die Besucher. Doch die einfachen Hütten genügten bald nicht mehr den hohen Ansprüchen der Städter. In seinem Erzählband „Ein Sommer im Stahlbade am Staffelsee“ erinnert sich Wilhelm Asam an die Entwicklungen seiner Badeanstalt: „Jedes Jahr erschien eine Familie mehr im Orte; es fügte sich zu dem alten Badehäuschen jedes Jahr ein neues. Bald machte sich das Bedürfnis nach der warmen Badewanne fühlbar, und das Jahr 1875 stellte ein schlichtes Holzhäuschen im Uferrande auf, das heilende Seewasser auch für jene badefähig zu gestalten, welche das kalte nicht vertragen.“

Drei Jahre später wurde das Stahlbad erbaut, das seinen Gästen besonderen Luxus bot: Diener, Bademädchen, Salons und eine große Terrasse machten das Kurhaus zu einer Anlaufstelle für betuchte Gäste aus München und anderen Großstädten. Das Wasser für die Trinkkuren wurde aus den „Stahlquellen“ in der Schlucht zum Kurhaus geleitet – durch die besagten Eisenrohre, die Jahre zuvor verlegt worden waren. Viele Besitzerwechsel folgten, bis 1928 direkt neben dem Bad das Erholungs- und Krankenheim St. Uli errichtet wurde. Ein Hotel, ein Kiosk und eine Reitschule vervollständigte das Angebot für die erholungsbedürftigen Gäste.

Ein abruptes Ende des Kurbetriebs kam mit den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs: Die amerikanische Air Force beschlagnahmte das Gelände. Später wurden die ehemaligen Kurhäuser zunächst als Flüchtlingslager, dann als Altenheim genutzt. Das Bayerische Rote Kreuz errichtete dort schließlich den heute noch im Betrieb befindlichen Altersheimkomplex. Das Stahlbad brannte 1976 komplett ab, und auch das alte Gebäude St. Uli wird am Kulturknall-Wochenende bereits abgerissen sein.

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