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"Stein des Anstoßes" rollt davon

Mittenwald - Das Denkmal für Mittenwald stand nur sechs Tage auf dem Bahnhofs-Platz. Am Donnerstag ließ Vize-Rathauschef Georg Gschwendtner den Stein des Anstoßes in aller Früh abtransportieren.

Nur einige Polizisten wurden Zeugen, wie das „Denkmal für Mittenwald“ per Radlader „an einen sicheren Ort“ gebracht wurde, wie es Gschwendtner (CSU) ausdrückt. Von der Öffentlichkeit unbeobachtet, transportierten Mitarbeiter des Bauhofs die zirka 1,50 Meter hohe Stele ab. Ebenso im Verborgenen, wie die Brendten-Gegner sie am Samstag auf dem Bahnhofs-Parkplatz aufgestellt hatten.

Zu Protesten der Initiative „Angreifbare Traditionspflege“, die dem Markt das Denkmal „geschenkt“ hatte, kam es nicht – deren Mitglieder wussten nämlich gar nichts von der Aktion. Sie werden schriftlich von Gschwendtner benachrichtigt.

In dem kurzen Brief erklärt die Gemeinde die Gründe für ihr Handeln. Ihr Hauptargument: Das Denkmal sei ohne Genehmigung des Marktes widerrechtlich auf Gemeindegrund aufgestellt worden. „Dies stellt eine Besitzstörung dar, die alleine schon zur Verhinderung eines Präzedenzfalles, der zur Nachahmung anregen könnte, nicht hingenommen werden kann“, heißt es in dem Schreiben.

Ferner befürchtet Gschwendtner, dass die Stele den Wochenmarkt behindert hätte. „Das Ding wäre nur im Weg gewesen“, glaubt der Kommunalpolitiker. Nicht zuletzt gefährde das Objekt die öffentliche Sicherheit, da dem Markt über die Bauausführung und Standsicherheit keine Unterlagen vorlägen.

Diese Argumentation lässt Sabine Herrmann von der Initiative „Angreifbare Traditionspflege“ nicht gelten. „Wir stellen unser Fachwissen über die Architektur des Denkmals gerne zur Verfügung“, unterstreicht die Aktivistin, die noch immer nicht glauben kann, dass der Markt Mittenwald ihr „Geschenk“ nicht haben will. „Das zeigt, dass die Mittenwalder nicht bereit sind, sich ihrer Geschichte zu stellen.“ Herrmann geht sogar noch weiter: „Das ist ein Affront gegen die Überlebenden und Opfer des NS-Regimes.“

Die linksgerichteten Aktivisten selbst fühlen sich voll im Recht: „Wir haben vor zwei Wochen Bürgermeister Adolf Hornsteiner schriftlich darüber informiert, dass wir ein Denkmal in Mittenwald aufstellen wollen“, erzählt Herrmann. „Eine Reaktion haben wir nie bekommen.“

Dafür sucht die Gemeinde jetzt den Dialog mit der Initiative. „Es liegt auch dem Markt Mittenwald daran, mit einem Mahnmal an die Opfer aller Kriege in würdiger Weise öffentlich zu gedenken“, schreibt der Stellvertretende Bürgermeister an Herrmann. „Ich biete Ihnen daher an, gemeinsam über eine geeignete Maßnahme an geeigneter Stelle nachzudenken, die dann mit Zustimmung des Marktgemeinderates umgesetzt werden könnte.“

Herrmann will das Angebot annehmen: „Wir sind gerne bereit, über einen alternativen Standort zu diskutieren und werden in den nächsten Tagen Kontakt mit der Gemeinde aufnehmen.“ Einzige Bedingung der Brendten-Gegnerin: „Das Denkmal muss relativ zentral im Ort aufgestellt werden.“

Ob der Arbeitskreis „Angreifbare Traditionspflege“ rechtliche Schritte gegen die Gemeinde einleitet, stand gestern noch nicht fest. Doch eine Konsequenz wird der Abtransport des Denkmals laut Herrmann auf jeden Fall haben: „Wir setzen unsere Kampagne in Mittenwald, die wir am Samstag mit der Enthüllung der Stele eigentlich beenden wollten, jetzt doch fort.“

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