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Strauss im europäischen Kontext

Garmisch-Partenkirchen - Der 60. Todestag von Richard Strauss und der zehnte Geburtstag des Strauss-Instituts – zwei Anlässe zum Feiern. Die Wahlheimat des Komponisten fühlt sich seinem Andenken verpflichtet.

Wissenschaftler unter sich: (v. l.) Jürgen May, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Richard-Strauss-Instituts, Professor Ulrich Konrad und Institutsleiter Christian Wolf tauschen sich nach Konrads spannendem Eröffnungsvortrag noch über Strauss aus. Foto: sehr

Wissenschaftler unter sich: (v. l.) Jürgen May, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Richard-Strauss-Instituts, Professor Ulrich Konrad und Institutsleiter Christian Wolf tauschen sich nach Konrads spannendem Eröffnungsvortrag noch über Strauss aus. Foto: sehr

„Richard Strauss im europäischen Kontext“ sind die Veranstaltungen überschrieben, zu denen eine internationale Fachtagung, ein Konzertzyklus und ein Festakt am morgigen Dienstag, dem 60. Todestag des Künstlers, gehören. Diesem Thema widmete sich auch Professor Ulrich Konrad, der seinen Eröffnungsvortrag mit der Einspielung des Strauss-Liedes „Durch allen Schall und Klang“ begann. Am Beispiel dieses Stückes, das der Komponist 1926 dem französischen Autor und Nobel-Preisträger Romain Rolland gewidmet hatte, stellte Konrad den Komponisten in den europäischen Kontext: „Dem großen Dichter und hochverehrten Freunde, dem heroischen Kämpfer gegen alle ruchlosen, an Europas Untergang arbeitenden Mächte, mit dem Ausdruck treuester Sympathie und aufrichtigster Bewunderung“, hatte Strauss unter sein Werk geschrieben.

Allein darin erkannte Konrad einen Beweis dafür, dass sich der damals 61-Jährige nicht als Anhänger einer Nation allein sah – „genau wie Rolland ist er gegen hemmungslosen Nationalismus angetreten“ –, sondern vielmehr als Kultur- und Sprach-Patriot. „Diese Auffassung steht in deutlicher Nähe zum Liberalismus des 19. Jahrhundert“, betonte der Wissenschaftler. Passend zur Widmung unter seinem Lied habe sich Strauss zudem besorgt „über den Irrsinn geäußert, der die Kultur zerstört“. Beide, zeigte sich der Referent überzeugt, hätten sich als Europäer verstanden, ein Verständnis, mit dem der Deutsche und der Franzose in ihrer Zeit allerdings zu einer Minderheit gehörten.

Was Konrad anriss, werde in den kommenden Tagen vertieft, wies Christian Wolf, Leiter des Richard-Strauss-Instituts, auf die Fachtagung hin. „Dabei beleuchten die Experten die Vielfalt der internationalen Wahrnehmung genauso, wie seine Musik im Spannungsfeld seiner Zeitgenossen.“ Letzteres werde auch klanggewaltig bei den Konzerten dargestellt, kündigte er den Zyklus an, mit dem der die Veranstalter des Komponisten würdigen. „Wir fühlen uns seinem Andenken verpflichtet“, untermauerte Bürgermeister Schmid bei der feierlichen Eröffnung. (tab)

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