Bayrischzell - Auch am dritten Tag des Flächenbrandes bei Bayrischzell sind die Helfer im Dauereinsatz. Doch nicht nur das steile Gelände macht Feuerwehr und Bergwacht zu schaffen:

© Gaulke
Seit drei Tagen sind verschiedene Wehren aus der Umgebung am Seeberg bei Bayrischzell im Einsatz.
Waldbrände gehören für Kreisbrandmeister Michael Röhrl zur Routine. Der 58-jährige Miesbacher hat es in seiner Laufbahn schon mit etlichen aufgenommen, doch der Waldbrand am Seeberg bei Geitau war auch für ihn ein eher unüblicher Kasus. „Normalerweise wird man so einem Feuer an zwei Tagen Herr, aber aufgrund der steilen Lage waren die Löscharbeiten sehr schwer“, erklärt Röhrl.
Bereits am frühen Vormittag machen sich zahlreiche Feuerwehrler auf den Weg. Auf den ersten Metern macht der Wald noch einen halbwegs gesunden Eindruck. Das hohe Gras ist verdörrt und aus dem Wald ertönt eine Motorsäge. Waldarbeiter sind dort schon in den frühen Morgenstunden im Einsatz – außerhalb der Problemzone. Glücklicherweise haben sie dort eine Seilbahn errichtet, um Holz aus dem Wald zu ziehen. Den Einsatzkräften der beteiligten Feuerwehren erleichtert das allerhand, um dem Feuer den Kampf anzusagen. Klar, mit dem feindlichen Element Wasser.
Doch damit das nicht passiert, leisten alle Beteiligten vollen Einsatz. Mit Rucksack-Kanistern und Spritzpistolen, Mistgabeln und sogenannten Feuerpatschen bewaffnet, bearbeiten beispielsweise Michael Geller von der Rottacher Feuerwehr „Zug Oberach“ und die beiden Rottacher Bergwächter Heinz Sossna und Josef Lehmann eine abgebrannte Grasfläche. Zwar sind die Kameraden der Bergwachten hauptsächlich für die Sicherheit der Feuerwehrler zuständig, doch auch sie packen fleißig mit an. „Die Feuerpatsche steht auch einem Bergwächter gut“, ruft Händl Sossna zu. Das Werkzeug ähnelt einem Besen und soll der Glut Sauerstoff entziehen, um sie zu ersticken. „Das wirkt im Prinzip wie eine Löschdecke“, sagt Händl.
Nur wenige Meter weiter errichten die 14 Feuerwehrmänner aus Dürnbach um ihren Kommandanten Franz Huber eine Holzverbauung. Diese soll Arbeiter, die weiter unten aktiv sind, vor Geröll schützen. Zudem stützt der Holzwall eine von zwei Bergpumpen. Immer wieder erklingt ein lautes „Obacht“ aus Teilen des Waldes, denn so ganz standfest sind im beschädigten Areal weder Felsbrocken noch Baumstücke. Kontrastartig leuchtet der gegenüberliegende Lärchenwald in den buntesten Herbstfarben, während der Waldbrand am Seeberg sichtlich seinen Tribut forderte.
Um zumindest weitere Flammenausbrüche zu verhindern, braucht es jede Menge Wasser. Doch die Beförderung auf den Berg ist zeitaufwändig. Vor allem, als ein Stück der Seilbahn reißt. Zwar wird es von zwei Technikern im Nu repariert, aber schon am frühen Vormittag steht fest: Es muss erneut ein Hubschrauber angefordert werden. Einige Funkgespräche zwischen Wald und Einsatzleitung, und das Thema ist geklärt. Aus Landsberg sollte am Nachmittag ein Hubi eintreffen, um 1500 Liter Wasser zur Unterstützung zu verteilen. Bei Einbruch der Dunkelheit konnten die Gefahr durch Glutnester aber noch immer nicht beseitigt werden. Der Nahkampf geht also heute weiter.
Marc Lamberger
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