113.04.09|Lkr. Miesbach|Lkr. Miesbach|
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Schliersee - "Die Kurpfuscherin": Schlierseer Bauerntheater präsentiert das mitreißende Stück auf höchstem Niveau und mit gewaltigem Aufwand.

Selbst die Baronin bequemt sich ins bäurliche Behandlungszimmer.
Gewaltig ins Zeug gelegt hat sich das Schlierseer Bauerntheater mit seiner jüngsten Produktion „Die Kurpfuscherin“. Darin waren sich die Gäste bereits in den zwei Pausen während der sechs Bilder umfassenden Aufführung einig. Und so hing beim schier endlosen Schlussapplaus im völlig ausverkauften Terofal-Saal so etwas wie „Zugabe“ in der Luft – bei einer Theateraufführung leider schlecht möglich. Fast schon verlegen wirkten die insgesamt 18 Darsteller, als sie sich vor einem rhythmisch applaudierenden Publikum immer weiter verbeugen sollten. Etwas ungewöhnlicher Applaus hatte auch schon den Beginn des Theaterabends bestimmt – als das aufwändige Bühnenbild des ersten Aufzugs – in dem sich noch kein Schauspieler aufhilet – spontan vom Publikum beklatscht wurde
Auf die Bühne gebracht wurde unter der Regie von Elisabeth Oberhorner ein Ausschnitt aus dem Leben der „Doktorbäuerin“ Amalie Hohenester aus Deisenhofen – einer Bürgerlichen mit recht zweifelhafter Vergangenheit, die durch ihre wirksame Heilkunst Berühmtheit im Volk und bei der „Obrigkeit“ erlangt. Dass es die „Doktorbäuerin“ tatsächlich gab – im Publikum saßen zwei Dutzend Nachfahren aus dem Raum Dachau – gab den Zuschauern das kribbelnde Gefühl, für sie würde ein Stück Vergangenheit nocheinmal zum Leben erweckt.
Oberhorner selbst verkörpert die Amalie Hohenester und setzt damit einem Ensemble, das diesmal schlicht keine Schwachstellen hat, ein Sahnehäubchen auf. Sie zeigt die Vielschichtigkeit einer Frau, die auf ihre Vergangenheit keineswegs stolz ist, die mit eisernem Willen ihr Ziel ansteuert – das Heilbad Mariabrunn bei Dachau zu erwerben – und die ein weiches Herz hat, wenn „arme Leut’“ um Hilfe bitten. Eine starke Persönlichkeit, die alle Menschen um sich herum duzt, die um ihre heilerischen Kräfte weiß – aber auch um den Anteil Scharlatanerie in ihren Auftritten. Dieses Unbestimmte im Charakter einer Frau zwischen sich berufen fühlender Heilerin und schon in Kindesjahren mehrfach verurteilter Diebin bringt Oberhorner wohldosiert, meist minimalistisch und dadurch so intensiv in der Wirkung herüber. Die „Doktorbäuerin“ versteckt unter einer ruppig-pragmatischen Maske, die sie allen Menschen um sich herum zeigt: Oberhorners Spiel zwischen aufgesetzter Maske und den dahinter arbeitenden Zweifeln und Gefühlen allein wäre schon einen Besuch des Stücks wert. Denn die Titelrolle ist eingefasst in ein Ensemble, das auf hohem Niveau agiert. Herrlich komische Szenen, köstliche Momente in perfektem Timing und kernig herausgearbeitete Charaktere machen das Stück zu einem wahren Genuss für die Sinne. Apropos Sinne: Passend zum Stück gibt es auch zwei hochprozentige „Heilwässer“.
Karten für die nächsten Aufführungen gibt es bei Schreibwaren Huber in Schliersee, Telefon 0 80 26 / 47 07. Weitere Termine auf www.schlierseer-bauerntheater.de.
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