Bad Wiessee - Die Gypsy-Konferenz hat ihr Interesse am Anwesen an der Münchner Straße verloren. Die Familie Reinhardt spricht von neuen Interessenten. Es handele sich wieder um Roma.

Als Domizil der Gypsy-Konferenz ist das Anwesen nicht mehr im Gespräch. Der Familie Reinhardt zufolge ist eine andere Roma-Organisation interessiert. Foto: plettenberg
Der Handel war schon so gut wie perfekt. Die Münchner Gypsy-Konferenz, vertreten durch Vorstandsmitglied David Spindler, wollte das fast leerstehende Doppelhaus an der Münchner Straße kaufen. Vier bis sechs Roma-Familien, insgesamt etwa 25 Menschen, sollten dort ein neues Zuhause finden. Um Platz für die Großfamilien zu schaffen, war ein Umbau geplant. Den Antrag, die ehemaligen Lokale zu Wohnungen zu machen, lehnte die Gemeinde Bad Wiessee jedoch ab.
Dies entspricht ihrem Kurs, das Ladensterben an der Hauptstraße zu stoppen. Derzeit läuft ein Bebauungsplan, der die Nutzung festschreiben lässt. Bis er in Kraft tritt, zementiert eine Veränderungssperre den Ist-Zustand. Besitzer des Anwesens sind die Brüder Peter und Roman Reinhardt.
Der Familienname ist durch Jean "Django" Reinhardt Legende. Der Sohn französischsprachiger Sinti begeisterte als Gitarrist und gilt als Begründer des europäischen Jazz. Die Liebe zur Musik ist der Familie ebenso geblieben wie die Verbindung zur Volksgruppe der Sinti und Roma.
Inzwischen, so teilt ein Sprecher der Familie Reinhardt mit, sei der Handel mit der Gypsy-Konferenz geplatzt. Großes Interesse an dem Wiesseer Anwesen zeige jedoch eine in Berlin ansässige Organisation, die Roma-Familien von Rumänien nach Deutschland hole.
Vor allem die Lage an der Straße sei begehrt. Viele Roma-Familien pflegten das Korbflechter-Handwerk und wollten ihre Erzeugnisse direkt an der Straße zum Kauf anbieten. "Wir treffen uns vor Ostern mit Vertretern der Organisation", so der Sprecher. Der bisherige Plan laute: Die Familien ziehen im Frühjahr vorerst als Mieter ein. Im Herbst solle dann der Kauf erfolgen.“
Im Wiesseer Rathaus hat man von den Brüdern Reinhardt lange nichts mehr gehört. Die Pläne der Reinhardts, das Anwesen an eine andere Roma-Organisation zu verkaufen, sind Bürgermeister Höß nicht bekannt. Von Vorurteilen, macht er klar, könne keine Rede sein. Einem Umbau der ehemaligen Lokale in Wohnungen wird die Gemeinde aber auch in Zukunft nicht zustimmen. "Wir haben das Ziel, entlang der Hauptstraße die gastronomische Nutzung zu sichern", erklärt Höß.
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