Weyarn - Acht Monate arbeitete ein nicht examinierter Pädagoge in einem Heim für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. In der Zeit soll er fünf Buben sexuell missbraucht haben. Gestern begann sein Prozess.
Denn im Hinblick auf seine Übergriffe auf die Kinder und Jugendlichen musste auch das Sexualleben des Mannes beleuchtet werden. Und damit wurde auch die Intimsphäre seiner Frau beleuchtet.
Trotzdem stellte der Chef eines Heims in Weyarn (Landkreis Miesbach) im Januar 2009 den einschlägig vorbestraften Mann aus Plauen ein. Um ein Führungszeugnis war der Angeklagte zwar gebeten worden, angeblich aber nicht mit dem nötigen Nachdruck. Hätte der Leiter den Ausdruck aus dem Bundeszentralregister (BZR) gesehen, wäre ihm natürlich sofort die Geldstrafe (120 Tagessätze) wegen Verbreitung pornografischer Schriften aufgefallen, und der Plauener hätte wohl niemals den Job bekommen. Seine Übergriffe waren während eines Kroatien-Aufenthalts des Heims Anfang September 2009 publik geworden.
Laut Anklage hatte sich der 57-Jährige beim Duschen an einen Burschen herangemacht und ihn sexuell erheblich manipuliert. Doch dessen Spezln schlugen im wahrsten Sinne des Wortes zurück. Der Erzieher kassierte Prügel und Pfefferspray. „Ich kam aufgrund der Reaktionen der Jugendlichen mit erheblichen Blessuren aus Kroatien zurück“, erinnerte sich der Mann. Am 6. September erhielt er die fristlose Kündigung. Etwa einen Monat später kam er in U-Haft.
Dort bemühte er sich um eine Sozialtherapie, bekam aber keinen Platz mit der Begründung, dass er als 57-Jähriger zu alt sei. Stattdessen bewährte er sich im Gefängnis als Hausarbeiter und wurde in eine leitende Position befördert. „Wenn ich noch die Möglichkeit bekomme, in Freiheit zu arbeiten, dann möchte ich als Wiedergutmachung alles bis zur Pfändungsgrenze abgeben“, sagte der Angeklagte. Der Prozess dauert an.
von Angela Walser
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