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Unterföhring: Anwohner laufen Sturm gegen Lärm aus Luxus-Bürgerhaus

Luxus-Bürgerhaus: Anwohner laufen Sturm

Unterföhring - Laute Musik, Betrunkene, die an Gartenzäune urinieren: Die Anwohner des Unterföhringer Bürgerhauses sind genervt. Sie fühlen sich massiv belästigt - und gehen auf die Barrikaden.

Zankapfel Bürgerhaus: In Unterföhring laufen die Anwohner Sturm.

In einem Pressegespräch protestieren sie gegen die Sperrfristen, die der Gemeinderat voraussichtlich am Donnerstag, 9. Februar, ausweiten wird.

Laute Musik, Raucher vor dem Mietpartyraum, Betrunkene, die an den Gartenzaun urinieren. Sieben Anwohner aus der Kanalstraße haben sich am Mittwochabend versammelt, darunter zwei Gemeinderäte: Gastgeber Johannes Mecke von den Grünen, der Leiter der Musikschule ist, und PWU-Gemeinderat Johann Zehetmair.

© Dieter MichalekErzürnte Anwohner bei Meckes im Wohnzimmer: (v.l.) Sonja Hoffmann, Manfred Schaller, Johannes Mecke, Johann Zehetmair, Gabriele Dörr, Andreas Weinzierl und Gisela Fischer.

Andreas Weinzierl liegt nachts oft wach: „Es ist schon passiert, dass bis zwei oder drei Uhr richtig Lärm war“, erzählt er: „Man hört ja schon, was vor dem Bürgerhaus passiert, aber was seitlich vor dem Mietpartyraum los ist, das ist richtig laut.“ Bässe würden herüberschallen: „Selbst wenn im Partyraum und bei mir die Fenster geschlossen sind.“ Der Lärm übertrage sich über das Erdreich, sind die Anrainer überzeugt. Sie fordern ein Limit für die Musikanlage, Schalldämmung unter den Boxen und Panikverschlüsse an Fenstern und Türen.

„Besonders schlimm“ sei die PWU-Rocknacht im großen Saal gewesen, klagt Meckes Frau Gisela Fischer: „Da waren 1000 Jugendliche, da ist es richtig abgegangen.“ Sie zürnt: „Wir selbst dürfen nur bis 22 Uhr feiern, dann kommt die Polizei, weil sich andere Anwohner beschweren.“ Auch wenn die Blasmusik auf dem Marktplatz spielt, empfindet Gisela Fischer dies als Ruhestörung: „Ich hasse Blasmusik. Ich möchte samstags in Ruhe in meinem Garten sitzen und nicht beschallt werden“, schäumt sie. Der Bürgerhausplatz sei viel zu groß angelegt: „Manche sagen, er sei öde. Jetzt müssen wir ihn beleben, lassen Sie mal die Fußball EM oder WM kommen, dann haben wir hier Public-Viewing!“

Die Architektin berichtet von einem Brief, den sie im Namen der Anwohner schon 2007 an Bürgermeister Franz Schwarz und die Gemeinderäte geschrieben habe. Sie kritisierte darin, dass der Entwurf des Bürgerhauses keine Rücksicht auf die Anwohner nehme, dass beispielsweise der Mietpartyraum nicht Richtung Isarauen, sondern zur Münchner Straße ausgerichtet werden sollte. „Es kam keine Reaktion! Die Mail wurde auch nicht an die Gemeinderäte weitergeleitet!“ Johannes Mecke, attackiert die Verwaltung: „Eine Antwort scheint hier nicht möglich zu sein. Beschwerden werden abgewiegelt oder tot geschwiegen.“

Auch bei der Kulturamtsleiterin beklagte sich Gisela Fischer über Ruhestörung. Barbara Schulte-Rief habe ihr geraten, die Polizei zu holen. „Aber, als ich in der Polizeiinspektion angerufen habe, hieß es nur: Die Veranstaltung ist genehmigt.“ Gisela Fischer fasst die Stimmung so zusammen: „Wir sind ziemlich verzweifelt“, und Sonja Hoffmann fügt hinzu: „Wenn man ins Off schreibt und es kommt nichts zurück.“

Mit über 30 eigenen Kulturveranstaltungen und 80 Vermietungen im Jahr 2011 zieht das Bürgerhaus Tausende Besucher an. Landwirt Johann Zehetmair stellt fest: „Das Rad können wir jetzt nicht mehr zurückdrehen.“ Er ist der Meinung: „Wenn ein Unterföhringer Verein feiert, akzeptiere ich das“, aber er ist gegen immer mehr Veranstalter von außen. Er sei „enttäuscht“, „dass der Kulturausschuss eine Ausweitung der Sperrzeiten empfiehlt, obwohl es zahlreiche Beschwerden gab.“ Der erste Schritt sei nun, „dass wir miteinander reden“. Die bisherige Regelung sieht vor, dass bis 24 Uhr gefeiert werden darf. Nun schlägt der Kulturausschuss aber vor, dass Mieter freitags und samstags bis 1 Uhr feiern können und dafür 100 Euro zusätzlich zahlen. Von Silvester bis zum Ende der Faschingszeit soll es künftig möglich sein, das Bürgerhaus auch bis 2 Uhr zu buchen, das kostet dann 200 Euro extra.

Die Anwohner protestieren dagegen und fordern neben Maßnahmen zur Schalldämmung, dass es bei einer Schließung um 24 Uhr bleibt. Über Ausnahmen soll der Gemeinderat im Einzelfall entscheiden. Zudem sollen die Hausmeister angehalten werden, bei den Mietern für Ruhe zu sorgen.

icb

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