Ismaning/ Unterföhring - Zwei Gemeinden hoffen auf ein neues Gymnasium: Ismaning und Unterföhring. Seit drei Jahren konkurrieren sie um die neue Schule. In einem Gutachten hat der Planungsverband jetzt beide Standorte untersucht. Das Ergebnis: Gleichstand. Der Kreistag muss nun einen Favoriten küren. Eine Umfrage unter den Fraktionssprechern.

Das Gutachten, das das Landratsamt in Auftrag gegeben hat, belegt, dass ein weiteres Gymnasium im Münchner Norden benötigt wird. Es besagt aber auch, dass sich die Kandidaten in den Punkten Grundstückslagen, Schülerzahlen und Verkehrsanbindungen nicht signifikant unterscheiden. Auch der Standort Garching werde nicht gefährdet.
Der Kreistag konnte schon 2010 keinen Favoriten ausmachen und beantragte beim Kultusministerium ganz salomonisch zwei Gymnasien: eines in Unterföhring, eines in Ismaning. Darauf will sich das Ministerium nicht einlassen. Wenn überhaupt wird hier nur Bedarf für ein weiteres Gymnasium gesehen.
Nun soll der Kreistag einen Standort vorschlagen. Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD) will die Debatte - so ihr Zeitplan - im März im Kreistag führen: „Es läuft auf eine politische Entscheidung hinaus“, schätzt sie. Ismanings Bürgermeister Michael Sedlmair gehört den Freien Wählern an, Unterföhrings Rathauschef ist ein Sozialdemokrat, ebenso wie die Landrätin. Ist damit also Unterföhring im Vorteil? Beide Lager suchen nun Unterstützer.
Dagegen argumentiert Unterföhrings Bürgermeister Franz Schwarz (SPD): „Wir sind als Gemeinde weiter von Garching entfernt und gefährden den Zulauf zum bestehenden Gymnasium in Garching nicht.“ Außerdem habe Unterföhring bisher noch keine weiterführende Schule, anders als Ismaning, wo es eine Realschule gibt.
Die CSU bleibe bei ihrer bisherigen Linie, erklärt Fraktionssprecher Stefan Schelle: „Wir sind willens, beide Standorte durchzusetzen. Der Ballungsraum München wird gerade im Norden weiter wachsen.“ Auch in Grünwald, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Holzkirchen habe das Ministerium lange keinen Bedarf gesehen, „jetzt wird dort gebaut“.
Dem widerspricht Christoph Nadler, der Fraktionssprecher der Grünen, vehement: „Es geht hier um Steuergelder. Wir brauchen im Norden nur eine neue Schule.“ Er hält der CSU Zögerlichkeit vor: „Die CSU will es sich mit keiner Gemeinde verderben.“ Die Grünen tendieren zurzeit eher nach Unterföhring wegen des größeren „Sicherheitsabstands“ zum Garchinger Gymnasium, dem keine Schüler abgezogen werden sollen. „Wir wollen aber erst das Gutachten genau studieren“, sagt Nadler.
Es werde für die SPD keinen Fraktionszwang geben, kündigt Fraktionssprecher Dietrich Heyne an: „Denn diese Frage wird in meiner Fraktion sehr unterschiedlich gesehen, es gibt in Unterföhring und in Ismaning hervorragende Mitglieder.“ Ähnlich offen sieht Florian Ernstberger von den Freien Wählern die Stimmung in seiner Fraktion: „Es sind beide geeignet. Aber wir Freien Wähler sind mit vielen Ismaningern besetzt, wenn ich zwei gleich gute Standorte habe, tendiere ich eher in Richtung Ismaning, ohne dass ich den anderen Standort schmälern will.“
Die FDP hatte 2009 den Antrag auf ein weiteres Gymnasium gestellt, Fraktionssprecher Jörg Scholler sympathisiert in Richtung Unterföhring: „Wir sollten Schüler, die in München zur Schule gehen, zurück in den Landkreis holen.“
Von Charlotte Borst
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