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Garching Ein Jahr Rauchverbot: Politik nimmt Wirten die Luft zum Atmen

Ein Jahr Rauchverbot: Politik nimmt Wirten die Luft zum Atmen

Garching - Mit dem absoluten Rauchverbot, das seit einem Jahr gilt, ist ein Stück bayerischer Kneipenkultur gestorben. Das zumindest meinen weiter viele Wirte im Landkreis.

Zum Qualmen vor die Tür; seit einem Jahr gilt das. F: Archiv

Zum Qualmen vor die Tür; seit einem Jahr gilt das. F: Archiv

Nicht die Zigarette, sondern die Politik habe den Unternehmern die Luft zum Atmen genommen.

Ein schönes Glas Wein am Abend im Restaurant oder ein kühles Bier nach Feierabend in der Stammkneipe: Die Zeiten sind in vielen Gaststätten vorbei. „Die Leute trinken ihren Absacker lieber gemütlich zu Hause, wo sie dazu auch rauchen können“, ist die Erfahrung von Traudl Schmidramsl. Das Rauchverbot spürt die Gastronomin des Ismaninger Neuwirts auch am Umsatz. Trotzdem ist sie ein Stück weit erleichtert: „Es ist nicht so dramatisch, wie wir befürchtet hatten.“ Die Gäste hätten sich damit arrangiert, ihre Zigarette vor der Tür zu rauchen - würden aber früher heimgehen.

Karl Dabernig, Inhaber des Gasthofs zur Post in Haar, ist sogar „richtig froh über das Rauchverbot“. Nicht über das Verbot an sich, sondern über die Tatsache, „dass der Gesetzgeber endlich eine klare Regelung getroffen hat“. Vorher, sagt er, sei es für ihn schwierig gewesen, die richtige Mischung zu finden, um es Rauchern und Nichtrauchern recht zu machen. „Jetzt kann ich sagen, die Politik hat es so gewollt und bin als Wirt nicht der Sündenbock.“

Die Konsequenzen muss er trotzdem tragen. Auch bei Dabernig machen sich die Gäste vor allem am Abend rar. „In der Kasse sehe ich das auch“, sagt er. Die wahren Verlierer des Rauchverbots sind für ihn aber die kleinen Kneipen, Bars und Stammlokale. „Da krebsen viele am Existenzminimum rum“, weiß Dabernig von Kollegen. In einer Bar nach der Arbeit etwas trinken zu gehen und eine zu rauchen, sei für viele auch ein Stück Feierabend gewesen.

Mit dem Rauchverbot sind auch die typischen Stammtische wie Skat- und Schafkopfrunden im Landgasthof Hofolding verschwunden. Geschäftsführerin Andrea Werner bedauert das und kann es gleichzeitig verstehen: „Ich möchte mich als Raucher auch nicht wie ein Hund vor die Tür setzen lassen.“ Sie hätte es besser gefunden, wenn die Gastronomen selbst hätten entscheiden können, ob ihr Lokal rauchfrei bleibt oder getrennte Räume für Raucher und Nichtraucher eingerichtet werden.

Angela Inselkammer, Vizepräsidentin des Hotel- und Gaststättenverbandes, übt harsche Kritik am Rauchverbot. Das Aus für die Zigaretten habe „den Umsatz der kleinen, getränkeorientierten Kneipen dramatisch einbrechen lassen““. Die Leiterin des Ayinger Brauereigasthofs wirft der Politik vor, sich zu sehr eingemischt zu haben. „Man kann den Gastronomen einen gesetzlichen Rahmen geben, darf ihnen aber nicht die Luft zum Atmen nehmen“, betont Angela Inselkammer. So würde die bayerische Kneipenkultur sterben. Das Wirtshaus sei kein sozialer Treffpunkt mehr, bei Veranstaltungen leide die Stimmung, weil ein Drittel der Gäste vor der Tür stehe. Die Gastronomie soll nach Meinung von Inselkammer von Vielfalt und Individualität leben. „Erst ist das Rauchen dran, und irgendwann müssen wir uns dann im Restaurant auf eine Waage stellen, um zu sehen, ob wir Fett essen dürfen oder nicht“, ärgert sich die Ayingerin. Sie fragt sich: „Ist es Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass wir alle 100 Jahre alt werden?“ Patricia Kania

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