Oberschleißheim - Gemeinderäte aller Fraktionen warnen vor dem Geschäftesterben in Alt-Schleißheim. Die Mittenheimer Straße, das alte Herz der Gemeinde, blutet aus. Mit der Metzgerei Matthäus Wagner schließt einer der letzten Läden.

Einst eine lebendige Einkaufszeile: die Mittenheimer Straße. Fotos: Förtsch
Dass der Metzger sein Geschäft aufgibt, veranlasste die Oberschleißheimer Gemeinderäte, über die offenkundig problematische Situation in der Mittenheimer Straße zu sprechen. Von den wenigen verbliebenen Geschäften in der Nachbarschaft, denen es kaum Recht sein kann, wenn der nächste Publikumsmagnet wegbricht, vernimmt man Verständnis. Die Mixtur stimmt nicht mehr: Früher befruchteten sich Wohnhäusern, kleine Geschäfte und Dienstleister gegenseitig, die Kundschaft kam in die Mittenheimer Straße.
Die Metzgerei wird abgerissen, das Grundstück verkauft. Ein Haus mit acht Wohnungen und eine Tiefgarage soll entstehen. Doch der Bauausschuss hat diesem Vorhaben einen Riegel vorgeschoben und sich damit gegen die ursprünglich zustimmende Empfehlung des Rathauses gewandt. Was auf den ersten Blick überraschte, scheint nur folgerichtig, kommt wohl aber zu spät. Dass auch die letzten Läden in der Mittenheimer Straße schließen, scheint angesichts der Strukturen nicht aufzuhalten.
Der Antrag, die Metzgerei durch eine Wohnanlage zu ersetzen, sieht eine Überschreitung der Baulinie um 15 Meter vor. Noch nie zuvor habe man einen solche Missachtung durchgehen lassen, wunderte sich CSU-Sprecher Thomas Guldenkirch über die seiner Meinung nach unkritische Haltung des Rathauses: „Wie sollen wir in Zukunft verhindern, wenn jemand den vorgegebenen Raum um zehn Meter überschreitet?“ fuhr Guldenkirch fort: „Zehn Meter, das ist ein ganzes Haus!“
Die übrigen Fraktionen hatte der CSU-Sprecher mit diesem Argument auf seiner Seite. Präzedenzfälle dieser Art will letztendlich auch das Rathaus nicht schaffen. Die Entscheidung, sich mit einem neuen Bebauungsplan Zeit zu verschaffen, fiel einstimmig.
Alle gemeinsam, Gemeinderäte und Gemeinde, vertraten auch die Ansicht, die Mittenheimer Straße als vitales Zentrum, ein funktionierendes Mischgebiet von Gewerbe und Wohnraum, zu erhalten. Ebenso einig freilich waren sie sich, dass es dafür schon fast spät sei. „Wir können niemanden zwingen, ein Geschäft aufzumachen“, bedauerte Ziegler. Guldenkirch signalisierte Verständnis für einen Grundstückseigner, der so viel wie möglich aus seinen Besitz herausholen wolle. „Das ist legitim. Mit vernünftiger Städteplanung hat das aber nichts zu tun.“
Dass Geschäfte innerorts sterben, liegt auch an Einkaufszentren außerhalb. „Die Leute sind selbst schuld“, sagte Johann Negele (FW): „Durch ihr Einkaufsverhalten hätten sie die Geschäfte am Leben halten können.“ Letztendlich also erliegt die Mittenheimer Straße einer Mixtur aus bedauerlichem Gegenwartstrend und verpassten, planerischen Chancen. an
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