Ottobrunn - Jun Zhang ist Feuerwehrfrau in Ottobrunn und erntet oft überraschte Blicke. Als Frau und Chinesin hat sie doppelten Exotenstatus.

Allein unter Männern hat sich Jun Zhang bei ihren Einsätzen als Floriansjüngerin in Ottobrunn einen Namen gemacht. Foto: Privat
Wenn es bei Jun Zhang in der Tasche piepst, kennt sie kein Halten mehr: Sie springt auf ihr Fahrrad, sprintet los oder hält das nächstbeste Auto an. "Ich liebe das Adrenalin, das dann durch meinen Körper schießt“, sagt die quirlige 19-Jährige, und ihre dunklen Mandelaugen leuchten.
"Eine chinesische Feuerwehrfrau in Bayern - wo gibt’s das schon“, fragt Eduard Klas, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Ottobrunn. Feuerwehrfrau Jun steche natürlich sofort ins Auge, egal ob bei dem Entfernen einer Ölspur, einem Großbrand oder bei Feuerwehrfesten. Sieht man die 19-jährige Ottobrunnerin in Zivil, würde wohl niemand auf die Idee kommen, dass sie in ihrer Freizeit Wohnungen öffnet, Brände löscht und verletzte Personen aus dein Wagen schneidet. Vom burschikosen Auftreten ist sie weit entfernt: Die zierliche Frau trägt hohe Schuhe und eleganten Silberschmuck, über ihren schicken Blazer fällt top-gepflegtes, schwarzes Haar. Auf den Tisch trommelt sie mit perfekt manikürten Fingernägeln.
Ihre chinesische Verwandtschaft versetzte Jun in helle Aufregung, als sie verkündete, sie sei von nun an Feuerwehrfrau. "Erstmal hieß es: ,Bei uns in China machen das doch nur Männer‘“. Die erste Entrüstung wich mit der Zeit einem gleichgültigen Achselzucken. Trotz oder gerade wegen aller Kulturunterschiede – den Kontakt nach China will Jun auf keinen Fall verlieren. Jedes Jahr besucht sie dort ihre Verwandten. Wie fühlt sie sich nach 14 Jahren in Ottobrunn eigentlich – als Deutsche oder als Chinesin?
Die Antwort bleibt die 19-Jährige schuldig: "Das ist so ein Zwischending.“ Zum Beispiel gebe es da immer noch getrennte Freundeskreise in ihrem Leben – auf der einen Seite "die Deutschen“, auf der anderen Seite "die Chinesen“, und je nach Situation denkt sie in beiden Sprachen. Aber muss sie sich da überhaupt entscheiden? Bayerische Vereinskultur und chinesische Wurzeln, ihr Feuerwehrhelm als praktischer und ihr chinesischer Glücksbringer am Spind als symbolischer Unheilsabwender: Jun Zhang bringt scheinbare Gegensätze spielend zusammen, weil das für sie ganz natürlich ist.
Nur an einer Marotte muss sie ihrer Meinung nach unbedingt arbeiten: an ihrer Höhenangst. Die verstehe sich nämlich ganz und gar nicht mit ihrem Job bei der Feuerwehr. "Auf unsere 30 Meter hohe Drehleiter steigen – das schaffe ich noch nicht.“
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