Ottobrunn - Erschütterung macht sich in Ottobrunn breit. Mit der Verurteilung von Josef Scheungraber zu lebenslanger Haft hatte in der Gemeinde niemand so wirklich gerechnet.

Blitzlichtgewitter: Vor der Urteilsverkündung drängten sich Fotografen um den Tisch des Angeklagten, Josef Scheungraber (r.). Das Gericht sprach den 90-Jährigen später des zehnfachen Mordes für schuldig. foto: dpa
„Das Urteil erschüttert mich und macht mich traurig.“ Als Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer aus den Medien von der Verurteilung Josef Scheungrabers erfuhr, suchte er hörbar getroffen nach den richtigen Worten. „Das kommt für mich jetzt wirklich überraschend.“ Er habe den Prozessverlauf ausschließlich über die Presse verfolgt – das Urteil spiegle diesen Verlauf aber in keinster Weise wider. Das findet auch SPD-Gemeinderätin Ruth Markwart-Kunas. „Ich bin nach den Presseberichten davon ausgegangen, dass es einen Freispruch geben wird.“ Markwart-Kunas betont jedoch, dass sie nicht über die Qualität der Beweise gegen Scheungraber urteilen könne: „Wenn er schuldig ist, dann muss er für seine Taten auch gerade stehen.“
Das Münchner Landgericht sprach am Dienstag Scheungraber des Mordes in zehn Fällen sowie des versuchten Mordes für schuldig. Als damaliger Kompaniechef des Gebirgsjägerbataillons 818 habe er im Juni 1944 in der Toskana den Befehl zu einem Vergeltungsschlag gegeben, bei dem zwei Soldaten und 14 Zivilisten starben.
Scheungraber war 17 Jahre lang – von 1955 bis 1972 – für die Partei Freie Wählergemeinschaft Gemeinderatsmitglied in Ottobrunn. Der ehemalige Schreiner und seine Familie sind in der Gemeinde hoch angesehen, Scheungraber ist außerdem Träger der Bürgermedaille und Ehrenmitglied der Feuerwehr.
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