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"Isartrails": Naturschützer bremsen Mountainbiker

"Isartrails": Naturschützer bremsen Mountainbiker

Landkreis - Mit Stopp-Schildern und Absperrbändern haben Naturschutzverbände auf Zerstörungen im Isartal hingewiesen. Die Kritik richtete sich vor allem gegen Mountainbiker, die mit ihren grobstolligen Reifen in sensible Gebiete vordringen würden. Dagegen wehren sich die Mountainbiker.

© Kurzendörfer

Die Spuren sind nicht zu übersehen. Schlammpfützen von drei bis vier Metern Breite, eindeutige Profilspuren im Waldboden, daneben ein blitzblank abgefahrenes Hangstück: „wilde Isartrails“ jenseits befestigter Wege. „Das ist kein Einzelbeispiel“, betont Brigitte Kammermeier (70), Altbürgermeisterin von Baierbrunn und Zweite Vorsitzende des Isartalvereins, beim Ortstermin mit Vertretern von Bund Naturschutz und Vogelschutzverbänden. „Wir haben hier ein Paradies“, sagt Kammermeier. „Und das müssen wir pflegen.“

Bloß wie? Die Isartrails, versichern alteingesessene Mountainbiker wie Thomas Hartmann (51) aus Deisenhofen, gibt es „schon seit über 30 Jahren“. Zugespitzt hat sich der Interessenkonflikt zwischen Naturschutz und Naturnutzung seit dem Frühjahr 2009, als Landeshauptstadt und Landkreis München mit dem Grünwalder Bombenkrater das Terrain der regionalen BMX-Rad- und Mountainbikerszene ersatzlos sperrten. Mit der Folge, dass seitdem noch mehr Freunde des gefederten Fahrrads ihre sportive Herausforderung auf Wurzelwegen im Isartal suchen.

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Dagegen protestieren nun Naturschützer: „Das Isartal ist kein Funpark für Mountainbiker“, lautet die gemeinsame Botschaft von Bund Naturschutz, Isartalverein, Landesbund für Vogelschutz und der Ornithologischen Gesellschaft Bayern. Ehemals schmale Fußgängerpfade würden durch Mountainbiker verbreitert, bodennahe Vegetation beschädigt und seltene Tiere gestört.

Die Schadensliste

Die Naturschützer bemängeln unter anderem diese Schäden:

- Vernichtung der Vegetation

- Verdichtung des Wurzelraumes, dadurch Beeinträchtigung des Wachstums

- Entstehen dauerhaft durchgewalkter, toter Schlammflächen -Erosion an Hängen durch „Downhill“-Fahrten und artistisches Steilwandfahren -Wurzel- und Stammverletzungen durch Zahnräder, Spikes -Störung des Brutgeschäftes von Boden- und Gebüschbrütern sowie der unverzichtbaren Nachtruhe von Tierarten durch Nachtfahrten mit LED-Fahrradleuchten

- Störung, Verletzung und Tötung ruhender Tiere (Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien).

Forderung und Kompromiss

Aufklärung der Bevölkerung, sofortige und wirksame Sperrung der Isartrails, Renaturierung geschädigter Flächen, Verweis der Mountainbiker auf befestigte Wege mittels Hinweistafeln und Flugblattaktionen, wirksame Kontrollen: So lauten die zentralen Forderungen der Naturschützer. Weil diese aufgrund der Zögerlichkeit der Behörden („man befinde sich „in Gesprächen“, verlautete aus dem Landratsamt München) nicht auf die Schnelle realisierbar erscheinen, versuchte sich Brigitte Kammermeier als Vermittlerin zwischen den Fronten. „Reden wir nicht von ,Sperre‘, sondern von einem Projekt. Und lieber einer kleinen Lösung für die nahe Zukunft als der großen, aus der vielleicht nie etwas wird“, regte die Baierbrunner Altbürgermeisterin an. Konkret also: Mittels Lenkungsmaßnahmen und Information soll die Natur dorthin zurückkehren, wo sie allzu arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zugleich arbeiten alle Beteiligten an einer übergreifenden Lösung. Die zweistündige, teils emotional geführte Debatte in den Isarauen südlich von München zeigte, wie enorm der Gesprächsbedarf ist – und es bleiben wird.

Martin Becker

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