Landkreis - Mit Stopp-Schildern und Absperrbändern haben Naturschutzverbände auf Zerstörungen im Isartal hingewiesen. Die Kritik richtete sich vor allem gegen Mountainbiker, die mit ihren grobstolligen Reifen in sensible Gebiete vordringen würden. Dagegen wehren sich die Mountainbiker.

© Kurzendörfer
Die Spuren sind nicht zu übersehen. Schlammpfützen von drei bis vier Metern Breite, eindeutige Profilspuren im Waldboden, daneben ein blitzblank abgefahrenes Hangstück: „wilde Isartrails“ jenseits befestigter Wege. „Das ist kein Einzelbeispiel“, betont Brigitte Kammermeier (70), Altbürgermeisterin von Baierbrunn und Zweite Vorsitzende des Isartalvereins, beim Ortstermin mit Vertretern von Bund Naturschutz und Vogelschutzverbänden. „Wir haben hier ein Paradies“, sagt Kammermeier. „Und das müssen wir pflegen.“
Die Naturschützer bemängeln unter anderem diese Schäden:
- Vernichtung der Vegetation
- Verdichtung des Wurzelraumes, dadurch Beeinträchtigung des Wachstums
- Entstehen dauerhaft durchgewalkter, toter Schlammflächen -Erosion an Hängen durch „Downhill“-Fahrten und artistisches Steilwandfahren -Wurzel- und Stammverletzungen durch Zahnräder, Spikes -Störung des Brutgeschäftes von Boden- und Gebüschbrütern sowie der unverzichtbaren Nachtruhe von Tierarten durch Nachtfahrten mit LED-Fahrradleuchten
- Störung, Verletzung und Tötung ruhender Tiere (Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien).
Aufklärung der Bevölkerung, sofortige und wirksame Sperrung der Isartrails, Renaturierung geschädigter Flächen, Verweis der Mountainbiker auf befestigte Wege mittels Hinweistafeln und Flugblattaktionen, wirksame Kontrollen: So lauten die zentralen Forderungen der Naturschützer. Weil diese aufgrund der Zögerlichkeit der Behörden („man befinde sich „in Gesprächen“, verlautete aus dem Landratsamt München) nicht auf die Schnelle realisierbar erscheinen, versuchte sich Brigitte Kammermeier als Vermittlerin zwischen den Fronten. „Reden wir nicht von ,Sperre‘, sondern von einem Projekt. Und lieber einer kleinen Lösung für die nahe Zukunft als der großen, aus der vielleicht nie etwas wird“, regte die Baierbrunner Altbürgermeisterin an. Konkret also: Mittels Lenkungsmaßnahmen und Information soll die Natur dorthin zurückkehren, wo sie allzu arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zugleich arbeiten alle Beteiligten an einer übergreifenden Lösung. Die zweistündige, teils emotional geführte Debatte in den Isarauen südlich von München zeigte, wie enorm der Gesprächsbedarf ist – und es bleiben wird.
Martin Becker
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