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Mord in Neubiberg: Der Mörder öffnete dem Pfarrer die Tür

Der Mörder öffnete dem Pfarrer die Tür

Neubiberg - Details zur Bluttat von Neubiberg: Mesner Christian R. erstach seine Frau heimtückisch von hinten. Danach rief er den Pfarrer an – und öffnete ihm die Tür, das blutige Messer in der Hand.

© Michel

In der Küche dieses Hauses in Neubiberg tötete der Mesner seine Ehefrau.

Am Fenster zur Küche haben sie den Rolladen heruntergelassen. Auf der Steinmauer vor dem schlichten Haus in der Kaiserstraße, Neubiberg, stehen drei Grabkerzen, kleine Flammen brennen. Blumen, ein Brief. „Liebe Simone...Wir haben keine Worte“, schreibt eine Gabi, daneben in Kinderschrift „Mia“.

Die Bürger in dem 2500-Einwohner-Ort im Kreis München können nicht fassen, was am Tag zuvor in der kleinen Küche passiert ist. Der Mesner Christian R. hat seine Frau Simone ermordet, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Gestern gab die Polizei erschütternde Details zu der Bluttat bekannt.

Schon seit längerem haben die beiden Ehe-Probleme, der ganze Ort und auch der Pfarrer weiß das. Die 35 Jahre alte Kindergärtnerin will sich von ihrem 36-jährigen Mann trennen, vermutlich will sie die beiden Buben Pascal (3) und Niclas (6) mitnehmen. Doch Christian R. wird damit nicht fertig, Anfang des Jahres beginnt er eine Therapie. Auch für Montagnachmittag hat er einen Termin bei seinem Psychiater. Doch den wird er nicht mehr wahrnehmen.

Schon am Vormittag streiten die Eheleute. Am Nachmittag, gegen viertel nach drei, geht es wieder los. Doch jetzt rastet der Mesner aus. In der Küche greift er zu einem Messer, die Klinge ist 20 Zentimeter lang. Er sticht mehrfach auf Simone R. ein, von hinten. Wie oft und ob er seine Frau auch von vorne angreift, müssen Rechtsmediziner erst noch klären. Als seine Frau tot ist, nimmt Christian R. das Telefon zur Hand und wählt. Die Nummer des Pfarrers und die seines Psychiaters. Beiden sagt er, dass er seine Frau umgebracht hat. Beide rufen Polizei und Notarzt, sie machen sich sofort auf den Weg zum Haus der Familie.

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Sylwester Walocha, der Priester, kommt als erstes an, das Pfarrhaus ist nur wenige hundert Meter von dem Haus seines Mesners entfernt. Als Walocha klingelt, öffnet Christian R. ihm die Tür. In der Hand: das blutverschmierte Messer. Im Flur, direkt neben der Küche: die Buben. Der Pfarrer packt die Kinder und schafft sie sofort aus dem Haus, in Sicherheit. Draußen wartet er auf die Einsatzkräfte. Als die eintreffen, bringt er die Buben ins Pfarrhaus.

Der Notarzt betritt die Küche, Christian R. hat noch immer das Messer in der Hand, fast zeitgleich trifft die Polizei ein. Es besteht keine Bedrohungssituation, das wird Ermittler Markus Kraus am nächsten Tag sagen. Der Mesner legt die Waffe auf Aufforderung des Notarztes weg, die Polizei nimmt ihn fest. Noch bei seiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium in München am Abend sagt er, dass er weiß, was er getan hat. Ermittler Kraus sagt, der Mesner wirkt verwirrt, zur Tatzeit war der 36-Jährige aber nüchtern. Die Polizei wertet seine Aussagen wie ein Geständnis: „Jetzt müssen wir anhand der Spurenlage überprüfen, ob das alles zusammenpasst“, sagt Kraus.

Staatsanwältin Nicole Selzam stellte noch am Montagabend Haftbefehl wegen Mordes, am Dienstagmittag wurde dieser erlassen. Die Mordmerkmale: niedere Beweggründe, weil Christian R. seine Frau offenbar wegen der drohenden Trennung erstochen hat, und Heimtücke, weil der Mesner die Kindergärtnerin von hinten angegriffen hatte und sie sich nicht wehren konnte. Warum der Ehekrach so eskaliert ist, müssen weitere Vernehmungen klären. Der Psychiater habe, so Kraus, keinerlei Hinweise gehabt, dass Christian R. zu einem Mord fähig ist.

Die Gemeinde ist erschüttert von der Tat des beliebten, hilfsbereiten Mesners. Die Familie R. ist nicht gebürtig in Neubiberg, aber verwurzelt, auch Verwandte leben in dem Ort. An der Rathaus-Tür hängt ein Schild „Fasching abgesagt“, das verhüllte Kinderkarussell nebenan ist verlassen. Das Mitgefühl der Bürger ist bei den beiden Kindern, die jetzt in der Obhut des Jugendamtes sind. Noch lässt die Polizei die Buben in Ruhe, die Ermittler wissen noch nicht, wie viel sie von dem Mord an ihrer Mutter mitbekommen haben. Wer sich um die beiden kümmern wird, steht bislang nicht fest.

Die Tür von dem Haus, das bis Montagnachmittag ihr Zuhause war, ist von der Polizei versiegelt. Vor das Küchenfenster hat jemand eine weiße Rose gelegt, zum Abschied von Simone R.

Von Carina Lechner 

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