Ottobrunn/Höhenkirchen - Der 1. September wird für Gabriel (3) ein ganz besonderer Tag werden: Er darf endlich, endlich in den Kindergarten.

Ein Umzug nach Ottobrunn verhalf Gabriel (3) zum ersehnten Kindergartenplatz – auch Mutter Daniela F. kann endlich aufatmen. Foto: Archiv bro
Die Geschichte des Kindes hat im Frühjahr viele Merkur-Leser bewegt: Der Dreijährige lebte mit seiner Mutter Daniela F. in einer Gemeinde, in der es genügend Kindergartenplätze gibt: in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Doch der Bub ist zuckerkrank – Diabetes mellitus Typ 1. Das bedeutet, man muss den Bub ständig im Auge behalten wegen der Gefahr der Unterzuckerung, regelmäßig Blutzucker messen, Insulin spritzen und jede Mahlzeit berechnen. Das hat die Kindergärten abgeschreckt. Die Verantwortung sei zu hoch, es fehle allen an Erfahrung, lautete das Hauptargument.
Noch nie, sagte Bürgermeisterin Ursula Mayer damals, habe es so einen Fall gegeben. Von den fünf Kindergärten war nach langen Hin und Her, diversen Gesprächen mit der Gemeinde und anderen Behörden am Ende ein Kindergarten bereit, den Kleinen aufzunehmen. Einen Vertrag gab es allerdings noch nicht.
Susanne Engelhardt, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Magdalena, hat nicht gezögert, als sie von Gabriels Krankheit hörte. „Natürlich ist die Verantwortung sehr hoch“, sagt sie. Ihr Kindergarten habe keine Erfahrung mit diabeteskranken Kindern, scheue sich aber nicht vor der Aufgabe. „Das war für mich gar kein Thema. Man kann das Kind doch nicht vom Kindergarten ausschließen!“
Wichtig sei eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern, betont Engelhardt. Die Erzieherinnen bekämen von Gabriels Arzt eine detaillierte Unterweisung und lernten so, was etwa im Fall einer Unterzuckerung zu tun sei.
Gabriels Eltern jedenfalls sind glücklich. Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack. „Wir sind immer noch enttäuscht. Es ist uns unerklärlich, wie es in dem einen Ort so viel Ablehnung geben kann bei einem Kind, das sowieso schon mit dieser Krankheit belastet ist, aber sonst normal und sehr aufgeweckt ist, während in einem anderen Ort die Diabetes kein Problem darstellt,“, sagt Daniela F. Dem einen Kindergarten in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, der Gabriel eventuell genommen hätte, will die Familie aber keinen Vorwurf machen. Was jetzt zählt: „Gabriel darf aufwachsen wie andere Kinder auch. Wir können guter Dinge in die Zukunft schauen.“
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