Wessobrunn - Die Nachricht vom geplanten Verkauf des Klosters sorgte in Wessobrunn für tiefe Betroffenheit. Das zeigte sich auch bei der Gemeinderatssitzung. „Das Kloster ist der Identifikationspunkt im Ort. Es wäre eine Katastrophe wenn das Gebäude nicht mehr so zur Verfügung stehen würde wie heute“, erklärte Bürgermeister Helmut Dinter.

Stuck in ganzer Pracht: Im Prälatenflügel von Kloster Wessobrunn finden sich Meisterwerke. Die Gemeinde möchte der altenhandwerkskunst neuen Auftrieb geben. foto: gronau
Gleichwohl äußerte er Verständnis für die Überlegungen der Missions-Benediktinerinnen. „Die Entscheidung ist nachvollziehbar. Die Schwestern können das Haus nicht mehr bewirtschaften und der Unterhalt kostet ein Vermögen“, ergänzte der Rathauschef.
Um dieses „Juwel der Gemeinde“ wie Dinter das Kloster bezeichnete, zu erhalten, sind auch schon Gespräche mit Schwester Hildegard, der Priorin des Ordens geführt worden. „Wir haben uns abgesprochen, dass sich die Gemeinde und die Benediktinerinnen Gedanken über die Nachfolgenutzung machen“, berichtete der Bürgermeister. Ideen wie eine Klosterbrauerei erteilte er dabei eine Ab-sage. „Wir brauchen keine 25. davon, wir brauchen ein Alleinstellungsmerkmal“, führte Dinter aus. Ein Hotel oder Altenresidenz zählen nicht dazu. Die Gemeinde setzt vielmehr auf die Geschichte. „Wir wollen die Wessobrunner Schule wieder beleben“, erhofft sich der Rathauschef eine Akademie oder Ausbildungsstätte für Stuckateure, Kirchenmaler und Architekten. Mit dieser Idee wurde er auch schon bei Wissenschaftsminister Heubisch vorstellig. „Das war relativ erfolglos“, so Dinter, der sich über die Unkenntnis des Ministers beschwerte. „Am Ende des fragte er doch glatt, ob Wessobrunn einen S-Bahn Anschluss hat“. Mehr Unterstützung erfuhr die Gemeinde durch die Landtagsabgeordnete Renate Dodell, die mit Staatssekretär Bernd Sibler aus dem Bildungsministerium das Kloster besichtigte: „Da ist jetzt unsere Idee platziert. Die wollen sie prüfen“.
Roland Halmel
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