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"Ich bin beglückt worden"

Schongau - Die Bilder und das Ausmaß des schrecklichen Erdbebens aus Haiti Ende Januar: Dr. Franz Twardy, Schongauer Arzt im Ruhestand hat es selbst gesehen. Er hat vor Ort geholfen.

© jos

Die, die in solchen Zeltunterkünften leben, haben es noch gut: Wie es den Haitianern geht, hat Dr. Franz Twardy erlebt, als er vor wenigen Tagen dort im Einsatz war. 

Es ist der erste humanitäre Auslandseinsatz für Twardy: „Als routinierter Allgemeinarzt weiß ich, was ich kann und was da gebraucht wird. Ich kann nicht hier bleiben, wenn ich dort dringend gebraucht werde“, sagt der 66-Jährige. Er war am 25. Januar von einem Bekannten angerufen und um seine Hilfe gebeten worden.

Und schon am nächsten Tag ging es mit dem Zug nach Hamburg, weiter nach Finkenwerder und von dort mit einem Airbus-Testflugzeug, das von dem dort ansässigen Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde, ab nach Port-au-Prince.

© fknNur noch ein Haufen Trümmer sind von der Schule...

Mit an Bord: Sieben Tonnen Hilfsgüter, Lebensmittel, Medizinbedarf, Kleidung und Werkzeug, das das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk „action medeor“ zur Verfügung gestellt hat. Neben Twardy fliegen in dem Flugzeug ein Kinderarzt aus Berlin, ein Medizinstudent aus München, eine THW-Helferin sowie Frank und Claire Höfer vom Verein Haiti Kinder Hilfe dem Auslandseinsatz entgegen.

Mit zwei Lkws geht es dann durch die in großen Teilen zerstörte Stadt hin zu einem der Kinderheime, die der Verein betreibt. „Es gibt überall große und kleine Lager mit einer Mischung von Zelten, Pappkartonhütten sowie Unterkünften aus allen möglichen Tüchern und Plastikplanen“, berichtet Claire Höfer. Und Twardy fügt hinzu: „In dem Waisenhaus – obwohl es nahezu unbeschädigt war – haben die Kinder draußen im Garten geschlafen, weil sie so traumatisiert sind und Angst haben, dass das Haus einstürzen könnte.“

© fkn... und dem Kinderheim des Vereins "Haiti Kinder Hilfe" übrig geblieben.

Ziel des Vereins „Haiti Kinder Hilfe“ ist es, die medizinische Hilfe dorthin zu bringen, wo die Menschen nicht zum Arzt kommen können, dorthin, wo die Ärmsten sind, wo es kein Wasser gibt und die Not am größten ist: „Das waren Gegenden, wo die Menschen nichts mehr hatten. Die, die in primitivsten Zeltunterkünften schlafen, denen geht es noch gut.“

Die ganze Nacht über haben Twardy und seine Mitstreiter sowie Helfer des französischen Technischen Hilfswerks daran gearbeitet, an dem Kinderheim zwei Klinikzelte aufzubauen. „Ich habe schon bei der ersten Besprechung gesagt, dass wir am dringendsten Toiletten hier brauchen“, berichtet Twardy. „Man kann sich die Armut nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat, aber die Behördenvertreter haben sich noch Tage später bei mir entschuldigt, dass sie es nicht fertiggebracht haben, Toiletten aufzutreiben.“

© fknIm Garten des Heimes schlafen die Kinder aus Angst, das Gebäude könnte einstürzen. 

In den beiden Zelten haben dann Twardy und der mitgereiste Kinderarzt – unterstützt von Freiwilligen und Dolmetschern – fast rund um die Uhr Patienten behandelt. „Das war schon eine gute Sache“, sagt der Schongauer Arzt. „Die Zeit hat man bei rund 80 Patienten am Tag gar nicht gemerkt.“ Die fehlende Stromversorgung und andere Dinge, die sonst für eine adäquate Behandlung notwendig sind, braucht man in diesem Zusammenhang gar nicht zu erwähnen.

Heute, mit ein wenig Abstand, sagt der Mediziner voller Überzeugung: „Ich würde es wieder machen.“ Sicher war es eine anstrengende und auch gefährliche Aufgabe: „Aber nichts im Vergleich zu der Kümmernis und den Belastungen der Menschen dort.“ Und außerdem sei er, der Helfer, von den leidenden Menschen vor Ort „beschenkt“ worden, sagt Twardy und berichtet von einer schwangeren Frau: Diese litt an Atembeschwerden und wurde von Twardy mit einem handelsüblichen Medikament behandelt. „Und zwei Tage später ist sie – in diesem Mist, in dem sie lebt – nochmal zu mir gekommen, um mir zu danken und mich an ihrem Glück teilhaben zu lassen.“

Hilfe für Haiti

Wer die „Haiti Kinder Hilfe“ unterstützen will, kann sich an Alois Vogg (Telefon: 08251/3982, E-Mail: a.vogg.aichach@t-online.de) wenden. Dringend gebraucht werden Ärzte, Zelte, Decken, Rollstühle und Stromgeneratoren. Auch Spenden sind willkommen: Haiti Kinder Hilfe, Konto-Nr. 1022180, BLZ 70090500 bei der Sparda Bank München.

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