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kik: Jugendliche rufen zum Boykott auf

kik: Jugendliche rufen zum Boykott auf

Peiting - Sie wollten auf katastrophale Arbeitsbedingungen aufmerksam machen, am Ende kam die Polizei: Die Christliche Arbeitnehmerjugend hat vor der Peitinger kik-Filiale Flugblätter verteilt.

Vor der Filiale des Peitinger kik verteilen Daniela Ruffing (3.v.r.) und Manuel Kaspar (2.v.r.) Flugblätter. Foto: uf

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Vor der Filiale des Peitinger kik verteilen Daniela Ruffing (3.v.r.) und Manuel Kaspar (2.v.r.) Flugblätter. Foto: uf

Auf dem Rundständer vor dem Peitinger kik-Markt hängen T-Shirts, ein Euro das Stück. Und auch der Rest der offerierten Kleidung ist dermaßen preisgünstig, dass man sich kaum vorstellen kann, wie daran noch verdient werden soll. Aufgrund mehrerer kritischer Fernsehsendungen und Berichte zu menschenverachtenden Arbeitsbedingungen bei kik, hatte sich die Christliche Arbeitnehmer Jugend (CAJ) Ammer-Lech zu einer Spontan-Aktion entschlossen. Nach dem Motto „Verbraucher für eine bessere Welt“ verteilten Mitglieder am Dienstagnachmittag Flugblätter vor dem Textil-Diskont, um Kunden zum Boykott aufzurufen. Und hatten eine Begegnung mit der Polizei, die vom Unternehmen gerufen wurde.

„Rund 25 Euro im Monat verdient eine Näherin für kik in Bangladesh“, so Manuel Kaspar von der CAJ. Dieser Lohn für neun oder mehr Stunden Arbeit täglich ist selbst in Bangladesh zu gering, um menschenwürdig zu leben, Kinder zu ernähren oder einen Arzt aufzusuchen, heißt es in dem Flugblatt.

Aber auch die deutschen Mitarbeiter der expandierenden Textil-Kette werden schlecht bezahlt. So hat die CAJ in Erfahrung gebracht, dass im letzten Jahr ein Gericht urteilte, dass der gezahlte Stundenlohn von 5,20 Euro sittenwidrig sei. In der kürzlich ausgestrahlten ARD-Sendung wird sogar angeführt, dass die Beschäftigten den Müll mit nach Hause nehmen müssten, um die Kosten für die Müllabfuhr zu sparen.

„Das stimmt gar nicht. Das ist Schwachsinn“, erklärte eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden wollte, auf Nachfrage. Ihre ebenfalls namenlose Kollegin, stellvertretende Filialleiterin, die ein Shirt mit dem Zitat von kik-Werbeikone Verona Pooth „Besser als man denkt“ trägt, verständigt derweil schon per Handy einen Vorgesetzten.

Zudem erhalten die Flugblatt-Verteiler die Information, dass das Filialgebäude auf Anordnung der Geschäftsleitung weder von außen noch von innen fotografiert werden dürfe. CAJ-Mitglied Daniela Ruffing zur Aktion: „Wir wollen Aufmerksamkeit erreichen. Kunden haben mit ihrem Kaufverhalten die Macht, die Unternehmen unter Druck zu setzen.“ Maximal ein Prozent des Verkaufspreises gebe kik für Löhne aus.

Natürlich wissen die CAJ-Mitglieder, dass gerade in der Bekleidungsindustrie viele Unternehmen zu ähnlichen Bedingungen in Niedriglohn-Ländern produzieren lassen. Aber bei kik wird ihrer Meinung nach am aggressivsten auf Kosten der Mitarbeiter gespart. „Fair Trade-Klamotten sind eigentlich die einzige Alternative, wenn man sicher gehen will, dass alle Beteiligten einen gerechten Lohn dafür bekommen. Aber die sind teilweise schwer erhältlich und auch wesentlich teurer“, weiß Daniela Ruffing.

Die Aktion hatte Manuel Kaspar schriftlich bei der Firmenzentrale angekündigt. Und die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Eine Polizeistreife nahm die Personalien der Flugblattverteiler auf. Ronald Bauer, stellvertretender Leiter der Dienststelle Schongau erklärte, dass geprüft wurde, ob das Versammlungsrecht eingehalten wurde. Derartige Aktionen und Demonstrationen müssten nämlich beim Landratsamt angemeldet werden.

„Die Peitinger Aktion war grenzwertig. Aber für die Beteiligten wird sie nur im Wiederholungsfall Konsequenzen haben“, so Bauer. Von den Passanten wurde die Aktion laut Daniela Ruffing großteils positiv aufgenommen. „Viele hatten schon die Berichte im Fernsehen gesehen und wussten Bescheid.“

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