Schwabbruck - Sowohl regional als auch global lassen sich eine Verknappung von Landflächen und steigende Nahrungsmittelpreise beobachten. Wo geht diese Entwicklung hin?

Interessiert folgten die Teilnehmer den Ausführungen von Josefine Anderer-Hirt. aj
Mit ihrem Vortrag gewährte die Agrar-Ingenieurin und Landvolkreferentin Josefine Anderer-Hirt interessante Ein- und Ausblicke auf eine Entwicklung, die für die Menschheit von außerordentlicher Bedeutung ist. Nicht einmal 20 Zuhörer fanden auf Einladung der Katholischen Landvolk Bewegung (KLB) den Weg nach Schwabbruck, um sich über die Entwicklungen in der Landwirtschaft zu informieren.
Den wenigen allerdings wurde ein interessanter Vortrag zuteil, der ein sehr weites Wissens- und Themenfeld umspannte. „Landwirtschaft im Spannungsfeld - Hunger nach Nahrung und Energie weltweit“, lautete der Titel der Ausführungen. „Derzeit haben wir über sieben Milliarden Menschen auf dieser Erde. Doch deren Zahl nimmt weiter zu“, sagte Anderer-Hirt einführend und spannte dann einen weiten Bogen von der stetig steigenden Nachfrage nach Agrarprodukten, explodierenden Preisen und dem weltweiten Handel von Nahrungsmitteln, die inzwischen zum bloßen Spekulationsobjekt verkommen sind.
Leidtragende sind - wie so oft - die Ärmsten dieser Welt. „Arme Bevölkerungsschichten in der Dritten Welt müssen inzwischen 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben“, wusste die Referentin. Gleichzeitig reißt die Nachfrage nach agrarischen Rohstoff-Fonds in den westlichen Industrieländern nicht ab.
Auch die Klimaerwärmung ließ sie nicht unerwähnt, mit den inzwischen weithin bekannten Folgen: Zunahme der Wetterextreme wie Überschwemmungen und Dürren, Versalzung der Böden, Ausbreitung von Agrar-Schädlingen wie Heuschrecken und bisher nicht bekannte Krankheiten. Betroffene Gebiete sind weite Teile Afrikas, Süd- und Mittelamerika sowie Asien. „Europa kann in gewisser Weise sogar noch vom Klimawandel profitieren“, bekräftigte Anderer-Hirt.
Doch auch hierzulande ist die Entwicklung inzwischen merklich spürbar: Der Boom bei Biogas-Anlagen führt zu zunehmendem Anbau von Mais mit negativen Folgen für die Böden und die heimische Erzeugung von Getreide. „Dieser Boom, den die Politik ausgelöst hat, wird von vielen inzwischen sehr kritisch gesehen“, bestätigte Anderer-Hirt. „Da ist in den Dörfern oft eine schlechte Stimmung.“ Auch der noch immer ansteigende Fleischkonsum bringt negative Folgen mit sich. Im Grunde, so die Referentin, böte die Erde noch genügend Ressourcen und schloss mit einem Zitat von Mahatma Gandhi: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier“.
aj
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