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Pinkel-Listen ad acta gelegt

Schongau - So schnell wie die „Pinkel-Listen“ bei Hoerbiger Automotive aus der Schublade gezerrt wurden, sind sie jetzt auch wieder von der Bildfläche verschwunden.

„Die Geschäftsführung hat die Listen zurückgenommen“, zeigt sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Firma Hoerbiger Automotive, Andreas Jäger, erleichtert darüber, dass das umstrittene Ab- und Anmeldeverfahren für Beschäftigte jetzt sang- und klanglos verschwunden ist. Auch die einstweilige Verfügung gegen die Neuerung, die der Betriebsrat im Zweifelsfalle erwirken wollte, ist damit vom Tisch.

Ein Rückblick: In der vergangenen Woche hatte die Geschäftsführung der Firma Hoerbiger Automotive in einem internen Schreiben an Abteilungsleiter angeordnet, dass sich Beschäftigte ab sofort in ausgegebenen Listen ein- und wieder austragen müssen, wenn sie außerhalb der regulären Pausenzeiten, zum Rauchen gehen, Getränke holen oder aber die Toilette aufsuchen. Vor allem Letzteres hatte die Gemüter erregt. Von einem Eingriff in die Privatsphäre war immer wieder die Rede.

„Wir bedauern sehr, welche Züge die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Produktionsmanagement und Arbeitnehmern in der Hoerbiger Automotive Komfortsysteme GmbH – dem von der Krise am härtesten betroffenen Unternehmen – angenommen hat“, erklärt Hoerbiger-Sprecher Ludwig Schönefeld jetzt auf Anfrage der Schongauer Nachrichten. Gab es noch am Freitag von Hoerbiger zum Streit um die „Pinkel-Liste“ das knappe Statement „kein Kommentar“, gibt der Sprecher nach der Beilegung des Streits zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung bereitwillig Auskunft.

Der Hoerbiger-Konzern befinde sich aufgrund der Krise in einer historisch schwierigen Situation, in der das Unternehmen auf die Unterstützung aller Beschäftigten angewiesen sei, erklärt Schönefeld. Die Abmeldelisten seien eingeführt worden, „weil Beschäftigte ihrem Arbeitsplatz häufiger und über längere Zeit ohne Information ihrer Vorgesetzten fernblieben. Sie haben damit die bei Hoerbiger üblichen Freiheitsgrade deutlich überzogen.“

Auf diese ungewöhnliche und im gesamten Hoerbiger-Konzern bisher einmalige Situation hätten die Führungskräfte der Produktion mit einer intensiveren Kontrolle von Abwesenheiten während der Arbeitszeit reagiert.

Der Geschäftsführer der Hoerbiger Automotive, Gerhard Messmer, hätte sich am Freitag in den Konflikt zwischen Produktionsmanagement und Belegschaftsvertretung eingeschaltet, um die Sache zu lösen. Künftig sollen „Problemfälle“ mit den betroffenen Personen und dem Betriebsrat im einvernehmlichen Gespräch geklärt werden, versichert Schönefeld.

Barbara Schlotterer

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