025.07.10|Region Schongau|Region Schongau|
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Artikel: Schongauer Berufsschülern verschiedene Migrationsschicksale vorgestellt.
Schongau - Wie 13 junge Menschen, die aus verschiedenen Teilen der Welt nach Deutschland gekommen sind, Heimat empfinden, hat die Journalistin Elke Reichart in Schongau geschildert.

Elke Reichart las zwei Abende lang in Schongau. Foto: aj
Heimat, so die Definition aus dem „Zeit“-Lexikon, ist eine „subjektiv von einzelnen Menschen oder kollektiv von Gruppen, Stämmen, Völkern oder Nationen erlebte territoriale Einheit, zu der ein Gefühl besonders enger Verbundenheit besteht“.
„Das war schon sehr informativ und lehrreich, dass Migration auch mal von der anderen Seite gezeigt wurde“, lautete das Resümee der 17-jährigen Julia Tüpke nach dem Vortrag. Und Alexander Rambacher (18) fügte hinzu: „Der Durchlauf war schnell, man hat es aber verstanden und es war interessant, wie die Migranten bei uns in Deutschland aufgenommen werden und sich durchbeißen müssen.“
13 Einzelschicksale beschreibt Reichart in ihrem Buch „Deutschland, gefühlte Heimat - Hier zu Hause und trotzdem fremd?!“. Es sind Jugendliche, die aus allen Erdteilen und aus den verschiedensten Gründen, nach Deutschland gekommen sind - entweder mit den Eltern oder alleine - beseelt von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch nur allzu oft stoßen sie auf Widerstände, stehen vor gesellschaftlichen Mauern, die sie nicht zu überspringen vermögen.
Da sind die beiden jungen Türkinnen Marla Kayacik (16) und Pinar Cetin (21), die beide in Berlin-Charlottenburg wohnen. Doch während Marla einen eher westlichen Lebensstil pflegt und Deutschland ganz klar als ihre Heimat bezeichnet, trägt Pinar trotz großer Hitze immer ein Kopftuch, ist den traditionellen Werten ihres Herkunftslandes stark verbunden und heiratet schließlich einen Türken, mit dem sie inzwischen eine Tochter hat.
Viele weitere Episoden und Lebensgeschichten hörten sich die interessierten Schüler in Schongau an, so wie die Geschichte der Gebrüder Rami und Sliman Abusita aus Palästina, die in Köln leben und deren im Gazastreifen gelegenes Elternhaus inzwischen vollständig zerbombt worden ist. Von „vielen kleinen Nadelstichen“ ist da zu hören, die Rami in Deutschland erfahren hat - sei es an der Supermarktkasse, wo er als Ausländer missachtet und nicht gegrüßt wird, oder in der Schule. Doch während Sliman trotz des Krieges in Palästina nur dort seine Heimat sieht, unter großem Heimweh leidet und wieder zurück möchte, kann sich Rami nicht recht entscheiden, wo seine Heimat nun tatsächlich ist.
Besonders bedrückend ist das Schicksal von Isabella aus Bolivien, einer „Illegalen“, die unerlaubt in Deutschland lebt. Die genaue Zahl dieser Migrantengruppe weiß niemand, doch Experten schätzen, dass bis zu 1,5 Millionen Menschen hier illegal ihr Dasein fristen. Als Touristin kam Isabella nach Deutschland und blieb nach Ablauf des Visums einfach hier. Unterschlupf findet sie zunächst in einer Wohngemeinschaft, dann bei der Familie einer Rechtsanwältin, die ihr gefälschte Papiere besorgt und sie ausbeuterisch illegal beschäftigt. Isabella lernt einen Mann kennen, spricht von Heirat - Dann bricht der Kontakt zu Elke Reichart ab. „Ich weiß nicht, was aus ihr geworden ist. Da spielen sich häufig Tragödien ab“, sagte die Journalistin abschließend.
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