Schongau - Interview mit Murat Simsek über die Hintergründe des von ihm inszenierten umstrittenen Kriegsspiels beim Kinderfest im Pfarrheim.

Die Wogen der Empörung schlugen hoch nach der Aufführung, die Murat Simsek Ende April mit türkischen Grundschülern beim Kinderfest in Peißenberg inszeniert hatte. Die Gruppe hatte den Tod türkischer Soldaten bei der Schlacht von Gallipoli/Canakkale im Jahr 1915/16 nachgestellt. Im SN-Gespräch nimmt der 33-Jährige Stellung zur Kritik.
-Herr Simsek, die von Ihnen inszenierte Aufführung im Peißenberger Pfarrheim hat bayernweit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Verschiedene Zeitungen und Radiosender haben darüber berichtet. Wie sind sie mit der Kritik umgegangen?
Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Vor dem Kinderfestim nächsten Jahr werden wir im Vorfeld unserer Aufführungen verschiedene Meinungen einholen, damit aus einer gut gemeinten Aktion nicht wieder etwas Böses gemacht wird.
-Wessen Rat wollen Sie denn einholen?
Zunächst einmal möchten wir mit Herrn Albert Hutterer sprechen, dem Leiter der Schongauer Grundschule. Als Ansprechpartner können wir uns aber auch einen Pfarrer vorstellen. Es ist wichtig, dass wir künftig die deutsche Sicht auf solche Inszenierungen berücksichtigen.
-Das haben Sie beim Kriegsspiel im Pfarrheim nicht gemacht. Hat Sie der nachfolgende Medienrummel überrascht?
Natürlich. Es tut mir auch leid, dass die Schongauer Grundschule und deren Rektor Albert Hutterer in die Kontroverse um das Spiel miteinbezogen wurden. Ich möchte außerdem auf keinen Fall, dass der Ruf von Schongau darunter leidet.
-Was haben Sie denn in Sachen Schadensbegrenzung unternommen?
-Solche Aufführungen auch mit Kindern zum "Tag der Gefallenen" sind in der Türkei normal. Warum haben die Deutschen im Gegensatz zu den Türken damit ein Problem?
Zuerst einmal waren wir mit unserer Aufführung zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir hätten so ein Schauspiel nicht auf einem Kinderfest inszenieren sollen. Ein Fehler war auch, dass wir die Aufführung nicht auf Deutsch vorgetragen haben. Dann hätten die Deutschen den historischen Hintergrund auch verstanden.
-Wieso glauben Sie, dass die deutschen Gäste weniger empört reagiert hätten, wenn Sie Ihnen den historischen Zusammenhang Ihrer Aufführung mit der Schlacht von Canakkale oder Gallipoli, wie die Halbinsel in Deutschland heißt erklärt hätten?
Bei dieser Schlacht haben auch deutsche Soldaten auf unserer Seite gegen die Entente gekämpft. Unter anderem war der deutsche General Otto Liman von Sanders der auch den Rang eines türkischen Marschalls hatte einer unserer wichtigsten Befehlshaber.
-Sie verstehen die Schlacht von Gallipoli demnach als wichtigen Teil der deutsch-türkischen Geschichte?
Natürlich. Wir hätten den Deutschen erklären sollen, dass wir damals Seite an Seite gekämpft haben.
-Hat es Sie gewundert, dass die Kritik sich auch gegen DITIB, die "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion", gerichtet hat? Bei dem Schongauer Ortsverein sind Sie ja in der Vorstandschaft.
Weder DITIB noch irgend ein anderer Verein hatte mit dem Schauspiel im Peißenberger Pfarrheim etwas zu tun. Dabei handelte es sich um eine private Inszenierung. Sollte der Ruf von DITIB dadurch einen Schaden erlitten haben, so möchte ich mich dafür entschuldigen.
- Aber dadurch, dass Sie bei DITIB Funktionär sind, hätten Sie den Inhalt der Aufführung im Vorfeld vielleicht ein wenig kritischer beurteilen sollen.
Wie gesagt: Solche Schauspiele sind in der Türkei normal. Sie gehören zu unserer Kultur. Deswegen habe mir nichts Schlimmes dabei gedacht. Aus diesem Grund finde ich es auch absurd, dass unser Schauspiel mit Terrorismus und mit dem Dschihad (dem "Heiligen Krieg", mit dem terroristische Gruppen Anschläge rechtfertigen; Anm. d. Red.) in Verbindung gebracht wurde. Alles, was mit Terrorismus zu tun hat, verachten wir zutiefst.
(Nun schaltet sich auch Halit Köklü (38), der Schongauer Ortsvorsitzende von DITIB in das Gespräch ein):
Unser Verein wurde durch diese Aufführung in eine falsche Diskussion mit einbezogen. Wir hatten damit nichts zu tun und können einfach nicht verstehen, dass DITIB in der Folge mit Terrorismus in Verbindung gebracht wurde. Wir engagieren uns doch für die Integration der Türken in Deutschland. Unter anderem bieten wir Deutschkurse für Ausländer an. Auch in Schongau.
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