Peiting - Ärzte, die Süchtige mit Methadon behandeln, begeben sich auf eine gefährliche Gratwanderung. Das muss derzeit der Substitutionsarzt Dr. Cornelius Pirzer erfahren.

Methadon ist ein Ersatzstoff für Drogenabhängige. mzv
Weil er leichtfertig den Ersatzstoff an Drogenkranke abgegeben haben soll, hat das Landratsamt ihm die Abgabe jetzt untersagt. Neben einem Verbot, weiter als Substitutionsarzt arbeiten zu dürfen, droht Pirzer auch eine empfindliche Geldstrafe.
Doch damit möchte sich der Allgemeinarzt nicht abfinden. Er bestreitet vehement die Vorwürfe und will Klage gegen das ab 15. Februar in Kraft tretende Verbot sowie die bereits ausgesprochenen Geldstrafen einreichen. „Ich habe mich immer innerhalb der Gesetze bewegt und zum Wohle meiner Patienten gehandelt“, stellt er klar. Dass ihm vorgeworfen werde, die Gesundheit und das Leben seiner Patienten zu gefährden, sei für ihn nicht nachvollziehbar.
Genau diese Konsequenzen könnten laut Pirzer aber weitreichende Folgen für die 25 Methadon-Patienten, die er in seiner Praxis betreut, haben. „Diese Menschen sind krank und brauchen ihren Stoff“, meint er. Da es außer ihm aber keinen weiteren Substutionsarzt in der Gegend gebe, seien die Abhängigen gezwungen, „sich das Zeug woanders, auf illegalem Weg zu beschaffen.
Wie dramatisch die Situation werden könnte, schildert Manfred Rössler, seit 20 Jahren selbst methadonabhängig: „Viele werden rückfällig werden und in die Beschaffungskriminalität abrutschen. Und es sogar wird Tote geben“, befürchtet er.
Dr. Breu vom Gesundheitsamts widerspricht den Aussagen von Rössler und Dr.Pirzer aber bestimmt. „Es gibt in der Umgebung einige Ärtze, die Methadon verschreiben dürften“, sagt er. Außerdem gäbe es Pläne in der neuen Tagesklinik, die im April in Peißenberg eröffnet werden soll, eine Ambulanz für Drogenabhänige einzurichten.
Dann könnte es für die Abhängigen aber schon zu spät sein. „Die Süchtigen halten es keine zwei Tage ohne Stoff aus. Wie sollen sie es dann zwei Monate schaffen“, meint Pirzer. Er will daher eine Einstweillige Verfügung gegen das Verbot erwirken. „Die Vergabe muss solange weitergehen, bis ein Nachfolger gefunden ist oder das Verbot aufgehoben ist. Sonst drohen uns chaotische Zustände“, prophezeit Pirzer.
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