Schongau - Wollte Bürgermeister Dr. Friedrich Zeller das Aufstellen des Kreuzes am Hohen Graben aus Rücksicht auf die Muslime im Ort verhindern?

Auf Nachfrage bestätigt Hans Hartung, Chef des Tourismusvereins und CSU-Stadtratskandidat, dass ein entsprechender Satz des Rathauschefs gefallen sei. Und zwar, als er im Herbst bei Zeller angefragt habe, ob er das selbst geschnitzte, knapp fünf Meter hohe Kreuz in der Nähe des Krankenhauses anbringen dürfe. Doch später habe der Bürgermeister dann im Bauausschuss für das Kreuz gestimmt. Zeller will Hartungs Vorwurf nicht kommentieren. Er weist vielmehr darauf hin, dass er nicht nur für das Kruzifix votiert habe sondern den Antrag sogar selbst in den Ausschuss eingebracht habe.
Auf Nachfrage bestätigte Hartung am Dienstag den Vorfall, von dem die SN aus Stadtratskreisen erfahren hatten: In zwei Gesprächen habe der 64-Jährige dem Bürgermeister seine Pläne für das Kruzifix erläutert. Bei der ersten Unterhaltung habe Zeller das Kreuz nur für "zu dominant" gehalten. Daraufhin habe Hartung ihn zu einem späteren Zeitpunkt darauf angesprochen, ob er das Kreuz überhaupt aufstellen dürfe. Hartung gibt Zellers Antwort so wieder: "Das können wir nicht machen. Damit brüskieren wir die Türken.'" Dem Chef des Tourismusvereins sei ob dieser Aussage schier die Luft weggeblieben. "Ich wusste nicht, was ich darauf noch sagen sollte."
Weil Hartung aber an den Plänen für sein Kreuz festgehalten habe, habe er später einen Antrag im Bauausschuss gestellt. Und im Oktober habe das Gremium das Kreuz am Hohen Graben auch einstimmig befürwortet.
Dass die Geschichte mit dem Kruzifix gerade jetzt, wenige Wochen vor den Kommunalwahlen auftaucht, hält Landratskandidat Zeller für Kalkül: "Das ist doch billigste Wahlpropaganda."
Auf die Frage, ob die Stadt beim Aufstellen eines Kruzifixes im katholisch geprägten Bayern überhaupt Rücksicht auf die religiösen Empfindungen der Muslime nehmen müsse, meinte Zeller: "Wir machen in Bayern doch sowieso was wir wollen und zwar auf Grundlage eines demokratischen Beschlusses. Und der ist im Bauausschuss gefallen."
Allerdings hält der Bürgermeister das Kruzifix in ästhethischer Hinsicht für kritikwürdig: "Die Ausführung ist nicht geschmackvoll, denn der Korpus ist zu roh behauen. Und deshalb halte ich es für misslungen." Mit seiner Meinung stehe er übrigens nicht alleine da, betont der Rathauschef: "Darauf bin ich schon von vielen angesprochen worden."
Hans Hartung hat den von ihm beschriebenen Vorfall jedenfalls abgehakt: "Ich bin nur froh, dass das Kreuz jetzt endlich steht. Die Vorgeschichte ist für mich gelaufen."
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