1816.06.10|Region Schongau|Region Schongau|4
Drucken|Empfehlen|Schrift
a
/
A||recommendbutton_count130
Peiting - Dadurch könnten 140 Arbeiter in Peiting und nochmal 50 in Weilheim ihren Arbeitsplatz verlieren.

Die Mitarbeiter des Zarges-Werks in Peiting traf die Hiobsbotschaft gestern aus heiterem Himmel: Die Konzernspitze will die Produktion nach Ungarn verlagern. foto: bas
Dunkle Wolken hängen über dem Werk in Peiting. Mindestens genauso wild, wie die Firmenflagge im Wind flattert, ist auch der Betriebsratsvorsitzende Werner Bäumler. Er fühlt sich, gelinde gesagt, hinters Licht geführt. 140 Menschen im Werk in Peiting sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. 50 weitere Mitarbeiter, die am Standort Weilheim im Steigtechnikbereich angesiedelt sind, ebenso. Mindestens, meint Bäumler - wenn es nach Konzernchef Frank Haberstroh geht.
Der hat in einer kurzfristig anberaumten Informationsveranstaltung für die Belegschaft in Weilheim angekündigt, dass der Standort Peiting dicht gemacht werden soll. Deutliche Worte. Worte, die Reinhold Gunesch - ehemals Werksleiter und seit dem Jahreswechsel Geschäftsführer von Zarges Peiting - bei einer zeitgleichen Versammlung in Peiting vergebens sucht. Gunesch zitiert aus einem Gutachten, erzählt 140 Betroffenen von Optimierung und Plänen. „Er hat nicht den Mut gehabt, zu sagen, dass Peiting verlagert werden soll“, sagt Bäumler. Diese schlimme Befürchtung, die sich aus der spärlichen Information schließen lässt, bestätigt der Betriebsrat den Angestellten schließlich kurzerhand bei einer - ebenso kurzfristig anberaumten - Betriebsversammlung in der Kantine. „Es ist alles Knall auf Fall passiert“, erklärt Betriebsrat Sepp Maier wenige Stunden später im Betriebsratsbüro, wo Zigaretten und Köpfe rauchen.
Kopfzerbrechen gibt es in dem Raum, in dem trotz Schreckensmeldung Kampfstimmung herrscht, schon seit Monaten, erklären die Betriebsräte. Die Gerüchteküche hatte gekocht, „aber die Führungskräfte hatten Maulkörbe“, meint Bäumler, der sich eigentlich so leicht an niemandem die Zähne ausbeißt. „Es gab nur Indizien, was die vorhaben“, bestätigt sein Kollege Stefan Pecher.
Viele Fragen sind zu klären. Geschäftsführer Gunesch wird dazu wenig beitragen. „Ich bin nicht zuständig“, meint er auf Anfrage der Schongauer Nachrichten nach dem „Warum“ bescheiden mit Verweis auf die Konzernspitze in Weilheim.
Dort hingegen wird geklotzt und nicht gekleckert. Bereits eine Stunde nach Beginn der Betriebsversammlung geht ein zweiseitiges Schreiben an die Medien heraus. Dort nachzulesen: Eine ausführliche Begründung mit der Überschrift „Zarges Tubesca prüft Zusammenführung der Produktionsstandorte“.
Der Standort, der bei dem Gutachten besser abgeschnitten haben soll, ist mit dem Auto in acht Stunden und acht Minuten zu erreichen und ist 825 Kilometer entfernt: Kecskemét. Eine Verlagerung der Produktion in Peiting in die 110 000-Einwohner-Stadt vor den Toren Budapests biete „aufgrund geringerer Arbeits- und Logistikkosten substanzielle Einsparungen“, heißt es in der Pressemitteilung.
Dem Gutachten traut Gewerkschafts-Haudegen Bäumler nicht einen Meter über den Weg. „Das ist von Haus aus so erstellt, dass Peiting gar keine Chance gegenüber Ungarn hat“, wettert er. So seien in dem Blätterwerk nur die Lohnkosten beider Standorte gegenübergestellt, die Produktivität hingegen sei gar nicht berücksichtigt - „das ist überhaupt nicht objektiv!“
Bäumler will kämpfen. Der erste Schritt: Ein hinzugezogener externer Wirtschaftsprüfer soll das Gutachten unter die Lupe nehmen. Denn: „Wir sind überzeugt, dass wir vor Ungarn keine Angst haben brauchen“, meint er mit Verweis auf Produktivität und Qualität der Produkte, die in Peiting hergestellt werden. „Wir sind führend auf dem Markt!“ Schritt zwei: Der Konzernspitze soll ein Standort-Sicherungspaket serviert werden. Ausgang: Ungewiss.
Ob er denn Hoffnung habe? „Hoffnung?“, fragt Bäumler mit großen Augen. „Wir sind überzeugt davon, dass wir den Standort Peiting halten können.“
zurück zur Übersicht: Region Schongau

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.
Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.

