Schongau - Wer Denkmalschutz einmal „live“ erleben möchte, hat dazu am kommenden Sonntag, 12. September, wieder Gelegenheit.

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Mit Gespann und Müllerwagen will der Schongauer Landwirt Franz Reßle am Sonntag Kinder durch Schongau kutschieren.
Am „Tag des offenen Denkmals“ sind auch in Schongau, Altenstadt, Hohenfurch und Schwabsoien einige Attraktionen geplant.Es waren nicht weniger als 40 Millionen Bundesbürger, die der Tag in den vergangenen zehn Jahren auf die Beine brachte - eine beeindruckende Zahl, wie auch Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer aus Schongau erfreut registriert. Einmal jährlich - am zweiten Sonntag im September - sollen Denkmale, die sonst nicht allgemein zugänglich sind, durch Führungen und Rahmenprogramme „erlebbar“ gemacht werden. Anlässlich dieser europaweiten Aktion nutzten im vergangenen Jahr in 47 Ländern etwa 20 Millionen Menschen - davon allein 4,5 Millionen in Deutschland - die Chance, mehr als 30 000 Denkmale zu besichtigen.
Heuer nun lautet das Motto „ Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr“. ein Thema, das laut Schmidbauer „nahe an einem Lebensnerv des Schongauer Landes angesiedelt ist“. Hintergrund: Seit den Tagen der römischen Besetzung waren die Durchgangsstraßen Via Claudia Augusta und im Mittelalter die sogenannte Obere Straße (über Reschen- und Fernpass) sowie die Untere Straße oder auch „Heeresstraße“ am Lech Hauptverkehrslinien, die die Reichsstadt Augsburg mit Italien verbanden. So zumindest hat es der Kreisheimatpfleger in langwierigen Privatstudien eruiert. Schongau war demzufolge eine wichtige Station als Waren-Niederlage (Ballenhaus). Neben dem Verkehr auf der Straße (Rott) war der Floßtransport auf dem Lech die zweite Möglichkeit, relativ schnell Personen und Güter nach Augsburg und weiter über die Donau bis nach Wien zu schaffen.
Im Schongauer Stadtmuseum werden am Sonntag Dokumente hierzu ausgestellt sein. Zwischen 14 und 17 Uhr wird Schmidbauer jeweils zur vollen Stunde Führungen anbieten. Dabei will er aus alten Urkunden des Stadtarchivs das damalige Transportwesen wieder aufleben lassen.
In Altenstadt erläutert derweil Heinz Dobija am Denkmal „Via Claudia“ Geschichte und Aufbau der Römerstraße an dieser Stelle. In Hohenfurch führt Bürgermeister Guntram Vogelsgesang durch die in jüngster Vergangenheit häufiger in die Schlagzeilen geratene St. Ursula-Kapelle, während in Schwabsoien das private Kutschenmuseum seine Tore öffnet. Auf drei Etagen zeigt Johann Hartmann dabei seine Kutschen- und Schlittensammlung mit 30 historischen Verkehrsmitteln, Zubehör und Werkzeugen vergangener Zeit.
Ansonsten wird in punkto Denkmal eher weniger landkreisweit angeboten. In Bernried gibt es zwischen 10 und 18 Uhr stündlich Führungen durch die alte Bahnhofstation, in Seeshaupt um 14 Uhr eine Führung durch die Jakobus-Kapelle.
Angesprochen darauf, ob er mit der Angebots-Vielfalt zufrieden sei, äußert sich Helmut Schmidbauer, der in früheren Jahren die Organisation des Tags des offenen denkmals kreisweit in die eigenen Hände genommen hatte, vergleichsweise vorsichtig. „Ich finde es schon etwas wenig. Aber es sind alle Gemeinden mit der Bitte um Rückmeldung angeschrieben worden, doch sahen sich viele nicht in der Lage oder es ging im Tagesgeschäft unter, was ich sehr bedaure.“
Der Kreisheimatpfleger ist indes überzeugt, „dass die bisherige Melde-Methode der Denkmalschutzbehörde sicher noch optimierbar ist“. Darüber hinaus fehle es, so Schmidbauer weiter , in manchen Gemeinden „wohl immer noch an offiziellen Beauftragten für die Ortsgeschichte“.
spe
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