Peiting/Weilheim - Der Betriebsrat hätte zu spät den Ernst der Lage erkannt: Dieses Zitat von Frank Haberstroh, Geschäftsführer von Zarges Tubesca, hat zu Wutausbrüchen bei der Arbeitnehmervertretung geführt. Der Vorwurf des Betriebsrats: Informationen seien nie in ausreichendem Maß geflossen.

„Stinksauer“: Peter Wolf (links), Betriebsratsvorsitzender Zarges Weilheim, und (rechts) Werner Bäumler, Betriebsratsvorsitzender Zarges Peiting. foto: gierig
„Richtig sauer“, „maßlos aufgeregt“, „Sauerei“: Das sind die Worte, die gestern Nachmittag gegenüber den Schongauer Nachrichten im Bezug auf ein Interview mit Frank Haberstroh in der Ausgabe vom Donnerstag gefallen sind. Die Wogen der Entrüstung: Sie sind so groß, dass erstmals auch Peter Wolf, der Weilheimer Zarges-Betriebsratsvorsitzende, öffentlich das Wort gegen die Firmenleitung erhebt und sich ganz offiziell hinter die Kollegen aus Peiting stellt.
Peter Wolf und Werner Bäumler sind auch der Kopf des Zarges-Gesamtbetriebsrats, ebenso sitzen beide im Wirtschaftsausschuss. In keinem dieser Gremien hätten sie jemals eine Möglichkeit ausgelassen, zu erfahren, wie das Unternehmen wirtschaftlich dasteht, wie sich außerdem Produktivität und Auslastung darstellen. Oberste Priorität seien dabei immer die Belegschaft und die Arbeitsplätze gewesen, so Bäumler - nicht umsonst hatte man immer wieder mal kurzgearbeitet, um Arbeitsplätze zu erhalten. Doch mit Zahlen, Daten und Fakten hätte Frank Haberstroh immer gerne hinter dem Berg gehalten, so der Vorwurf. „Entweder er hat gesagt, wir seien nicht mitbestimmungsberechtigt und hat und deshalb keine Informationen gegeben, oder es hat nur geheißen, die Lage sei sehr ernst“, ärgert sich Peter Wolf.
Das Gutachten hat übrigens laut Betriebsrat der Refinanzierung der gesamten Gruppe gedient: Damit der Investor, der das Unternehmen mit Fremdkapital aufgekauft hat, flüssig bleibt, wurde das Unternehmen durchleuchtet.
Die finanzielle Lage soll im vergangenen Jahr nicht gut gewesen sein bei Zarges Tubesca. Doch das Gutachten lieferte eine positive Prognose, die die gesamte Refinanzierung absicherte. „Alles ist gut ausgegangen, und wir haben uns ein Stück in Sicherheit gewägt“, räumt Peter Wolf ein. Noch im Januar dieses Jahres hatten Banken - wegen des Positiv-Gutachtens - Geld ins Unternehmen gepumpt. So wurden konjunturbedingte Einbrüche überbrückt. „Das hat uns finanziell Luft zum Atmen gegeben, um die Krise zu überbrücken“, so Wolf. Trotzdem hätte der Betriebsrat gesehen: Aufträge müssen her. Wie kann man gegensteuern? Keine Gelegenheit hätte man auch im Wirtschaftsausschuss ausgelassen, bei der Geschäftsführung anzufragen. Immer wieder hätte es allerdings auch in dieser Sache nur unzureichende Antworten gegeben.
Ein Nebeneffekt des Refinanzierungs-Konzepts: Mit den Gewinnen, die anfallen, finanziert der Investor die eigene Investition. Sprich: Zinsen und Bankgebühren, die anfallen.
bas
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