114.01.10|Region Schongau|Region Schongau|
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Peiting - Die Mitarbeiter der Firma Getinge sind wütend, traurig, ratlos, fühlen sich betrogen vom Mutterkonzern in Schweden. Der hat den Standort Peiting gezielt ausbluten lassen – da sind sich Betriebsräte und IG Metall sicher.

Betriebsrat und IG Metall wollen jetzt gegen die Entscheidung vorgehen, das Peitinger Werk noch in diesem Jahr zu schließen.
Für das Unternehmen haben sie sich „den Arsch aufgerissen“ – und zwar alle. Was die Betriebsräte der Peitinger Firma Getinge damit konkret meinen? Seit April waren die Mitarbeiter in Kurzarbeit, „17 000 Arbeitsstunden hat die komplette Mannschaft dem Unternehmen so eingespart, um ein gutes Ergebnis zu erreichen“, rechnet der Betriebsratsvorsitzende Thomas Hammer vor.
Für den Geldbeutel eines jeden Einzelnen bedeutet das für das Jahr 2009 unterm Strich 3000 Euro netto weniger. Und weil das Kurzarbeitergeld zunächst einkommenssteuerfrei ist, aber eventuell beim Lohnsteuerjahresausgleich eine deftige Rückzahlung ans Finanzamt fällig wird, werden die Einbußen der Angestellten noch höher, verdeutlicht IG-Metall-Fachsekretär Hartmut König.
Für die Firma haben Peitings Getinge-Mitarbeiter im vergangenen Jahr alles gegeben, sogar flexibel – also quasi auf Bedarf – gearbeitet. Und gerade jetzt, wo die aufwändige Vorarbeit für den Verkauf einer neuartigen Taktanlage geleistet ist, und der gewinnbringende Verkauf die Zahlen am Peitinger Standort noch deutlicher in die Höhe schnellen lassen würde, verleibt sich der Mutterkonzern das lukrative Geschäft ein, um die eigenen Bilanzen zu schönen – das ist der Vorwurf, den sich die Geschäftsführung im fernen Skandinavien jetzt gefallen lassen muss. „Jetzt, wo wir die Ernte von drei Jahren Arbeit einfahren könnten, nimmt man uns alles weg“, bringt es Betriebsrat Reinhard Bach auf den Punkt.
Ein Vorgehen, dass offenbar bei den Geschäften zwischen Schweden und Peiting bereits in der Vergangenheit Schule gemacht hatte. „Die Sahnestückchen, mit denen man Geld machen kann, holen die nicht zum ersten Mal zu sich“, weiß Thomas Hammer. Mit den Jahren seit der Übernahme von Maquet/Stiefenhofer 2002 wurden nicht nur die Mitarbeiter – damals waren es weit mehr als 100 – immer weniger. Auch die Produktpalette wurde zunehmend ausgedünnt.
Wie die Schweden die individuellen Produkte, die in Peiting teilweise auch auf Sonderwünsche gefertigt werden, ohne das Peitinger Know-How produzieren wollen, das kann sich die Belegschaft nicht erklären.
Überhaupt lässt die Konzernleitung die Peitinger Belegschaft völlig im Dunkeln tappen, was die Zukunft anbelangt. Bei einem Betriebsrätetreffen in Kopenhagen am vergangenen Mittwoch, an dem auch Thomas Hammer teilgenommen hatte, ließ sich die Konzernspitze alles offen. „Es gibt nicht mal eine Planung für die Umsetzung.“ Diese Unsicherheit wiederum überträgt sich auch auf den Vertrieb und letztendlich die Kunden, „man macht uns das Geschäft kaputt, das wir so lange aufgebaut haben.“
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