Augsburg - Ihr alter Perser wurde auf mickrige 900 Euro geschätzt, später brachte der Teppich Millionen ein. Eine Starnbergerin verklagte einen Auktionator auf Schadenersatz. Heute fiel das Urteil.

© dapd
Dieser Perser ist angeblich der teuerste Teppich der Welt.
Bis zu dem Zeitpunkt jedenfalls, als die Dame ein paar Monate später diese eine Meldung im Radio hörte. Der Moderator berichtete von einem Teppich, der für die Rekordsumme von 7,2 Millionen Euro vom Auktionshaus Christie’s in London versteigert wurde. Und das, obwohl er nur wenige Monate zuvor für einen im Verhältnis lächerlich niedrigen Betrag von 19 000 Euro in Augsburg versteigert worden sei.
Seitdem lagen die Dame und der Auktionator im Rechtsstreit. Die Gautingerin forderte rund 350 000 Euro von dem Auktionator – die Summe war der Schätzwert der Teppich-Spezialisten bei Christie’s. Das Landgericht in Augsburg bot den beiden Parteien zunächst einen Vergleich an. Beide lehnten ab. Also fällte das Gericht am Freitag eine Entscheidung.
Die Dame aus Gauting wusste davon auch nichts. Sie erbte drei Teppiche von einer Freundin. Diese war vor Jahren die Putzfrau eines Münchner Teppichhändlers, der ihr wiederum die Teppiche schenkte.
Ein Defizit sah das Gericht zwar in der knappen Beschreibung des Teppichs im Versteigerungskatalog: „Persische Galerie, antik, blaugründig, floral durchgemustertes Mittelfeld, Laufstellen, Sammlerstück, 338 mal 135 Zentimeter.“ Es sei aber nicht nachgewiesen, dass es bei einem ausführlicheren Text zu einem höheren Gebot gekommen wäre. Der Anwalt der Klägerin, Hannes Hartung, denkt bereits daran, Rechtsmittel einzulegen. Er will aber noch auf die schriftliche Begründung des Gerichts warten.
Indes herrscht auch beim Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Auktionatoren Erleichterung. Der fürchtete einen Präzedenzfall – und zahlreiche Schadenersatzklagen gegen Auktionatoren: „Das wäre eine richtige Welle geworden“, sagte er.
von Patrick Wehner
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