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Rache: Söckinger schießt auf Haus des Ex-Chefs

Söckinger schießt auf Haus des Ex-Chefs

München - Aus Wut über seinen früheren Arbeitgeber hat ein Zimmerer (50) auf das Haus seines Ex-Chefs geschossen. Seit gestern wird dem 50-Jährigen am Landgericht München II der Prozess gemacht.

© Mell

Durch dieses Fenster zielte der Schütze

Seit 14 Tagen wohnte die Familie B. in ihrem neuen Haus in Söcking. Doch die ersten Wochen waren alles andere als erfreulich. Ein Unbekannter besprühte die Wände – doch es sollte noch schlimmer kommen. An einem Abend im Februar vergangenen Jahres peitschte plötzlich ein Schuss durch die Wohnung. Er verfehlte den 46-jährigen Familienvater nur knapp. Erst vier Wochen später sollte der Schütze, der durch das Fenster des Arbeitszimmers gezielt hatte, gefasst werden. Es handelte sich um einen 50-jährigen Söckinger. Der lebte zurückgezogen auf dem Anwesen seiner verstorbenen Eltern.

Jahrelang hatte er in einem örtlichen Zimmereibetrieb geschuftet – bis sein Rücken die harte Arbeit nicht mehr packte und er einen Bandscheibenvorfall erlitt. 1997 musste er seine Arbeit aufgeben. Er kümmerte sich fortan um die damals schwer kranken Eltern.

Zunächst schoss er auf das Auto

Als nach dem Vater auch die Mutter starb, begann er zu trinken. „Das habe ich gebraucht, da war mir gleich besser“, erzählte er. In seiner Einsamkeit, gepaart mit übermäßigem Konsum von Rotwein, steigerte sich seine Wut auf den Ex-Chef. Von ihm fühlte er sich verfolgt. Angeblich hatte ihn der Zimmerer nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der Schwarzarbeit erwischt und ließ ihn – so die Meinung des Angeklagten – fortan durch die Behörden überwachen. Ende 2010/Anfang 2011 reifte in ihm der Entschluss, sich zu rächen. Er kramte das alte Kleinkalibergewehr seines Vaters heraus, das dieser in den 50er-Jahren legal erworben hatte, nahm Munition und eine Spraydose mit und fuhr zum Anwesen seines früheren Chefs. Doch der wohnte dort nicht mehr. Er hatte die Wohnung inzwischen an Familie B. vermietet. Das aber wusste der Angeklagte nicht.

Dort schoss er zunächst einmal auf das Auto, das er wohl für den Wagen seines früheren Arbeitgebers hielt. Zwei Mal zielte der Angeklagte auf das Fahrzeug, bis er schließlich – so die Anklage – das Haus mit Todesdrohungen besprühte und am 11. Februar 2011 auf selbiges zielte. Danach versteckte er die Waffe und die Spraydose in der Nähe einer Waldhütte.

Angeklagter gesteht - teilweise

Der Verdacht fiel rasch auf den 50-Jährigen. Der Ex-Chef hatte nach den ersten Sprayattacken eine Überwachungskamera am Haus installiert. Die zeigte einen Mann, der sich mit einem Kapuzenpulli getarnt hatte und minutenlang das Wohnhaus ins Visier nahm, bis er schließlich abdrückte. Das Geschoss, so die Rekonstruktion, durchschlug die Doppelscheibe, schrammte rechts an der Türzarge den Flur entlang, verfehlte den 46-jährigen Familienvater, prallte an der Oberkante des Türstocks des gegenüberliegenden Badezimmers ab und blieb letztendlich im Gang liegen, in dem der geschockte Familienvater stand.

Über seinen Verteidiger Peter Pospisil räumte der Angeklagte die Schüsse an sich ein. Er habe aber keinen Menschen umbringen wollen. Der Prozess dauert an.

Von Angela Walser

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