Seefeld - Die Planungen der Regierung von Oberbayern, die Gemeinden flächendeckend mit Funksendemasten im digitalen Tetra-Standard aufzurüsten, sorgt auch im westlichen Landkreis für Ärger.
Von einem „unerträglichen Verfahren“ spricht Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum. Er hatte die Gemeinderäte im Dezember 2009 darüber informiert, dass das Innenministerium den Waldrand am Ortsausgang von Hechendorf in Richtung Inning als Standort auserkoren habe. Das Grundstück gehört dem Hechendorfer Kfz-Mechaniker Gerhard Bönsch, der ganz in der Nähe einen Stall gebaut hat, in dem er Kamerun-Schafe züchtet. Bönsch bestätigte auf Nachfrage, dass er vom Innenministerium ein entsprechendes Schreiben und einen Vertrag erhalten habe, dies jedoch der Vertraulichkeit unterliege. „Aber ich mache nichts ohne die Gemeinde. Ich bin überhaupt kein Freund von solchen Masten“, stellte er gleich klar.
Gum findet die Art und Weise, wie seitens der Regierung in dieser Sache vorgegangen wird, unmöglich. „Wenn es um Wählerstimmen geht, wird aus jeder Kleinigkeit gleich ein Bürgerbegehren. Aber die Sache hier wird einfach durchgedrückt, da haben die Gemeinden überhaupt keine Handhabe.“ Der Mast in Hechendorf soll laut Gum 45 Meter hoch werden. Kosten: 150 000 Euro. Pachtgebühr: 2500 Euro jährlich.
Unbehelligt von der Diskussion sind bis jetzt die Gemeinden Gilching und Wörthsee. dort sind keine weiteren Sendemasten geplant.
Die Kritiker des Digitalfunks werfen den Betreibern vor, eine veraltete Technik anzuwenden. Eine Optimierung der bestehenden Technik sei möglich und sehr preiswert umzusetzen. Dies werde aber von der Tetra-Industrie blockiert. Dabei biete auch Tetra eine Fortentwicklung des jetzigen Standards an, nämlich Tetra 2000 - angeblich werde dieser aber erst von der Industrie umgesetzt, wenn die alten Geräte ausverkauft seien. Abgesehen davon ist Tetra angeblich nicht notstromfähig und für den Katastrophenfall aufgrund des hohen Stromverbrauchs ungeeignet. Die Kritiker beklagen außerdem viel zu hohe Grenzwerte, bei der Grenzwerterstellung für Mobilfunk sei Tetra nicht berücksichtigt worden. Die Universität Wuppertal soll außerdem bereits 1999 Schäden an Nadelbäumen durch Tetrastrahlen nachgewiesen haben. Skepsis kommt auch aus den Reihen der Polizeigewerkschaften und des internationalen Feuerwehrverbands.
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