026.05.10|Wolfratshausen|Wolfratshausen|13
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Bad Tölz-Wolfratshausen/Geretsried - Nach Bruno hält sich erneut ein Braunbär im Landkreis auf. Er wandert allerdings nicht durch die Wälder, sondern ist die Hauptattraktion des Zirkus Alberti, der in Geretsried gastiert. Tierschützer sind empört.

„Er kennt nichts anderes“: Dompteur Francesco Harry mit seinem Kamtschatka-Bär Ben. Tierschützer nehmen Anstoß an der Dressur. Foto: Pröhl/Archiv
Ben ist ein 15 Jahre alter und knapp sieben Zentner schwerer Kamtschatka-Bär. Ben durchstreift allerdings nicht seine namensgebende Halbinsel im fernen Osten Russlands, sondern macht in der Alberti-Manege Handstand, läuft auf einem rollenden Fass, turnt auf einer Wippe und fährt sogar Roller. Erfahrung hat der 15-Jährige auch Filmgeschäft. Ben spielte er an der Seite von Patrick Swayze im Film „George und das Ei des Drachen“ und machte Werbung für Thüringer Bratwürste.
Doch Rollerfahren und Wurstwerbung von Braunbären sind beileibe nicht jedermanns Sache. Die Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN), Carola Belloni, beklagt: „Es ist zynisch, die Lebensräume der Wildtiere zu zerstören und sie dann im Zirkus auftreten zu lassen.“ Belloni findet es traurig, „dass Menschen für diese Art der Belustigung ihr Geld ausgeben anstatt es für die Rettung der Lebensräume einzusetzen“.
Beim Zirkus Alberti geht man offen mit den Vorwürfen um. Tierdompteur Francesco Harry erklärt: „Ben ist im Zoo geboren und kam im Alter von sechs Monaten zum Zirkus Alberti. Das heißt, er kennt nichts anderes.“
Argumente, die den Geretsrieder Albrecht Widmann nicht überzeugen. „Wildtiere gehören partout nicht in den Zirkus“, das Zurschaustellen sei „Quälerei“, die „es nie hätte geben müssen und nicht mehr geben sollte“, sagt der Tierschützer. Balancieren auf einem Fass? „Das macht kein Bär gerne und freiwillig“, schimpft Widmann, der für eine solche „Tanzbär-Nummer“ nur ein Wort findet: „widerlich“. Widmann nimmt das Gastspiel des Zirkus Alberti am Wochenende erneut zum Anlass, bei der Stadt Geretsried zu intervenieren. „Ich werde bei der Stadt darauf drängen, dass sie versucht, Zirkusnummern mit Tieren in unserer Stadt zu verbieten.“ (jst/cce)
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