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Gelting - Zwei junge Leute beweisen Mut: Carmen Genzinger und Phillip Bay haben einen Weg aus der Milchkrise gesucht und auf ihrem Hof in Gelting eine Klein-Molkerei gegründet.

500 Liter Trinkmilch und Joghurt produzieren Carmen Genzinger und ihr Lebensgefährte Philipp Bay derzeit in ihrer kleinen Hofmolkerei. Foto: sh
Seit 1671 wird auf dem Oberger-Hof, ab 1905 im Besitz der Familie Bay, Milchvieh gehalten. Sicher durchlebten Phillip Bays Vorfahren gute und schlechte Zeiten. Doch so düster wie 2009 sah es wohl selten aus. Der Milchpreis sackte ins Bodenlose. „Wir haben jeden Monat 2000 bis 3000 Euro Verlust gemacht“, erzählt Bays Lebensgefährtin Carmen Genzinger. Sie verlor noch dazu ihren Job als Programmiererin. Das junge Paar, das zwei Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren hat, stand vor einem Wendepunkt.
Doch statt aufzugeben, beschlossen die beiden, einen Teil der Milch, die ihre 35 Kühe geben, selbst zu verarbeiten und zu vermarkten. Im vergangenen Sommer bauten sie eine kleine Molkerei in einem ehemaligen Kuhstall neben dem Wohnhaus. Wegen des enormen Bürokratieaufwands und der in ihren Augen teils unsinnigen Auflagen verzichteten sie auf staatliche Zuschüsse. Die Bank half mit einem großzügigen Kredit, Familie und Freunde standen tatkräftig zur Seite. „Ohne die hätten wir es nicht geschafft“, sagt Carmen Genzinger.
Seit Eröffnung der Molkerei vor wenigen Tagen managt sie den Laden im Ein-Frau-Betrieb. Eigentlich gelernte Verlagskauffrau hat sich die tüchtige „Zuagroaste“ im Vorfeld bei Molkereien in Bayern und Österreich informiert. Sie hat Kurse besucht, mit dem Ergebnis, dass sie jetzt ein Zertifikat für die Herstellung von bis zu 500 Litern Trinkmilch und Joghurt pro Tag in Händen hält. So viel produziert sie in der Anfangsphase im Moment in der Woche.
Mit Schutz-Gummistiefeln und Plastikhäubchen auf dem Kopf steht die 34-Jährige in ihrem weiß gekachelten Reich. Stolz präsentiert sie die Pasteurisiermaschine, in der die frisch gemolkene Milch auf 72 Grad Celsius erhitzt wird, damit die Bakterien absterben. Anschließend wird das Lebensmittel im Kühltank auf sechs Grad Celsius heruntergekühlt und in Kanister abgefüllt. (tal)
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