Wolfratshausen - Eigentlich heißt Wolfratshausen ja seit kurzem Seeberg. Seit Mitte März geht das schon so. Seitdem der Film „Schutzlos“ hier in der Loisachstadt gedreht wird.

Der sechsjährige Max ist verschwunden. Die Polizistin Anna (Nina Kunzendorf) und ihr Kollege Anton Kirmayer (Maximilian Brückner) suchen nach ihm. Schwierig, denn Anna hat selbst viel um die Ohren. Seit der Trennung von ihrem Ehemann Franz (Michael Fitz) ist sie ständig um ein geregeltes Leben bemüht. Viele Nachtdienste, die pubertierende Tochter Laura (Lola Dockhorn) und das angespannte Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter (Hildegard Schmahl) hinterlassen Spuren. So bleibt es nicht aus, dass die Enddreißigerin ihrem dreijährigen Sohn Tom (Jannik Brengel) gegenüber kaum mehr Herzlichkeit entgegen bringen kann. Als sie eines Nachts mit ihrem Kollegen zu einer Familie gerufen wird, deren Kind erst stundenlang in der Kälte im Garten stehen musste und dann einige Tage später verschwindet, scheinen sich die Lebensumstände der Protagonisten in gewisser Weise ineinander zu verweben.
Nach der preisgekrönten BR-Koproduktion „Marias letzte Reise“ ist „Schutzlos“ der neue Film von Regisseur Rainer Kaufmann. Es ist kein klassischer Krimi im Sinne von Tatort oder Polizeiruf, „eher ein Kriminalfall“, sagt Producerin Sophie von Uslar von der Schott + Sperl Film GmbH. Die Geschichte des kleinen Jungen geht allen im Team an die Nieren. Vor allem aber der Hauptdarstellerin Nina Kunzendorf, die selbst Mutter zweier Kinder ist. „Da ist man schnell in der Materie drin. Viel Fantasie braucht man da nicht.“ Erst vor kurzem ist die gebürtige Mannheimerin, die seit 2001 in Bayern lebt, in die Nähe von Bad Tölz gezogen. Beim Dreh zum ZDF-Zweiteiler „Entführt“ lernte sie das Oberland kennen; der Zufall wollte es so, dass sie jetzt mit ihrer Familie dort lebt: „Für die Dreharbeiten hier in Wolfratshausen also sehr praktisch“, wie sie schmunzelnd anmerkt. Auch ihr Filmkollege Maximilian Brückner („Räuber Kneissl“) hat nicht weit nach Wolfratshausen. Er kommt aus Riedering bei Rosenheim. In „Schutzlos“ spielt er einen jungen netten Kerl – verheiratet, das erste Kind ist auch gerade unterwegs. Das Verschwinden des kleinen Max nimmt auch ihn ziemlich mit. Die beiden Hauptdarsteller verstehen sich übrigens gut und geben unisono zu: „Wir haben den gleichen Humor.“
Ganz bewusst hat sich die Schott + Sperl Film GmbH, im Auftrag des Bayerischen Fernsehens, Wolfratshausen als Drehort ausgesucht. Von 25 Drehtagen sind 17 in der Loisachstadt entstanden – und dass nicht nur, weil das Drehbuch eine ländliche Gegend vorschreibt: Im Feuerwehrhaus am Hatzplatz ging es Mitte März los mit den Dreharbeiten. Danach zog das Team nach Waldram, nach Gelting und nach Puppling um. „Wichtig war uns, dass wir einen authentischen Ort für die Geschichte vorfinden. Nicht zu lieblich oder pittoresk“, wie Producerin von Uslar betont. Die Stadt und die Umgebung „haben sich eine große Normalität bewahrt und sind noch nicht zu Tode fotografiert“. Kleine Reihenhäuser schaffen eine natürliche Sichtverbindung. Es gibt keinen klassischen Wiedererkennungswert. Das alles passt atmosphärisch gut zur Geschichte des Films „Schutzlos“, in der es um ein schonungsloses Thema – um Kindesmisshandlung und Verwahrlosung – geht.
Das große Entgegenkommen der Menschen hier, hebt vor allem Aufnahmeleiter Daniel Rillmann hervor. „Die Mitarbeiter im Ordnungsamt waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und haben uns von Anfang an ihre Unterstützung zugesagt.“ Ganz anders wie in München, wo es oft Schwierigkeiten mit Anwohnern und Genehmigungen gibt. Einzige Auflage, die eingehalten werden musste, war, „dass am Wochenende nicht in der Innenstadt gedreht werden sollte“.
Wolfratshausen heißt zwar Seeberg im Film „Schutzlos“, bleibt aber dennoch ein Fantasieort. Letzter Drehtag ist Mittwoch, 29. April, in einer Arztpraxis am Asternweg.
Sendetermin ist voraussichtlich im ersten Halbjahr 2010 in der ARD. (rd)
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