Geretsried - Ein halbes Jahrhundert schlug die Turmuhr der Petruskirche den Geretsriedern die Stunde. Von 22 bis 6 Uhr müssen die Glocken nun schweigen. Ein Anwohner fühlte sich um seinen Schlaf gebracht.

© Hermsdorf
Der Kirchturm in Geretsried.
Wer in unmittelbarer Nähe der Petruskirche wohnt, kannte das Gefühl, in aller Herrgottsfrühe aus dem Schlaf gerissen zu werden. Einem Anwohner platzte der Kragen – er schrieb im Oktober vergangenen Jahres einen Beschwerdebrief ans Pfarramt. Die Glocken müssten nachts schweigen, so seine Forderung. Anlass genug für den Kirchenvorstand, über die Beschwerde zu diskutieren.
„An das Läuten der Kirchenglocken gewöhnt man sich“, argumentierten die einen, Verständnis für die eingeforderte Nachtruhe äußerten andere. „Wir mussten die Sache ernst nehmen“, sagt Dr. Elisabeth Anton, Mitglied des Vorstandes der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Nicht zuletzt, weil nach einem weiteren Beschwerdebrief an das Geretsrieder Ordnungsamt das Landratsamt aktiv wurde.
Nach monatelangem Tüfteln von Rainer Anton, Organist der Petrusgemeinde und Maschinenbau-Ingenieur, konnte eine deutlich kostengünstigere Lösung gefunden werden. Mittels Zugdrahtumlenkung setzt das Glockengeläut jetzt zwischen 22 und 6 Uhr aus. Dank der ehrenamtlichen Tätigkeit aller am Projekt Beteiligten beliefen sich die Kosten auf nur 450 Euro. „Wir sind sehr dankbar für die Lösung“, sagt Edith Peter, Mitarbeiterin im Pfarramtbüros. Allerdings sind neue Beschwerde eingegangen: Einige Geretsrieder vermissen laut Peter die angebliche nächtliche Ruhestörung.
Von Claudia Rayling
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