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Gymnasiast Maximilian Steinker hilft am auf dem Oktoberfest an der Schießbude seiner Eltern.

So leben die Kinder der Schausteller

München - Schausteller sind einen großen Teil des Jahres unterwegs. Mit ihren Buden, Ständen und Fahrgeschäften ziehen sie den Volksfesten hinterher. Doch was machen eigentlich ihre Kinder?

Schausteller-Kinder sind auf dem Rummelplatz zu Hause. Achterbahn, Kettenkarussell und Zuckerwatte gehören für sie zum Alltag - genauso wie die Schule. Da geht es ihnen nicht besser als anderen Kindern. Das Leben im Wohnwagen und die vielen Reisen empfinden die meisten Töchter und Söhne der Schausteller auf dem Oktoberfest als schön und abwechslungsreich. Tauschen würden sie nicht wollen. „Ich find's cool“, sagt die 14 Jahre alte Mascha Kollmann aus dem niederbayerischen Pilsting am Dienstag in München.

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Es ist gerade hell geworden an diesem kühlen Herbstmorgen. Auf der Theresienwiese ist es ungewöhnlich still. Nur das Brummen der Kehrmaschine ist zu hören. Der Müll vom Vorabend muss weg. Einige Lieferanten laden Körbe und Kartons aus ihren Fahrzeugen. Am sogenannten Familienplatz trudeln nach und nach Kinder ein. Rucksack auf der Schulter, Handy in der Hand. Um 7.30 Uhr hält ein Kleinbus an der Wiesn und bringt die Buben und Mädchen in eine Hauptschule. Die Saison der Schausteller dauert in der Regel von April bis Ende Oktober. Dann gibt es noch die Zeit der Weihnachtsmärkte. Während der Tournee besucht ein großer Teil der Kinder wechselnde Schulen.

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„Manchmal ist es schwierig, weil wir beim Lernstoff nicht immer auf dem gleichen Stand sind wie die anderen“, sagt Michelle Dehner. Die 13-Jährige geht in die achte Klasse. Fremd ist sie in der Gruppe nicht, schließlich kommt sie jedes Jahr während der Wiesn-Zeit. „Ich kenne dort alle, aber meine eigentlichen Freunde sind die Kinder der anderen Schausteller.“ Manchmal werde sie von ihren Mitschülern ausgefragt. Meist wollen sie Gratis-Chips für das Bällewerfen ihrer Eltern. Im Winter besucht sie ihre Stammschule im niederbayerischen Frontenhausen. Da läuft der Schulalltag dann geregelt ab.

Charles Blume (11) findet es schade, dass er seine Freunde von der Wiesn nicht immer sehen kann, weil die Schausteller danach auf verschiedene Volksfest weiterziehen. „Aber wir halten über Facebook Kontakt“, sagt Marcel Stey (14). Im Winter wohnt er in Abensberg in der Oberpfalz. „Auf dumme Sprüche von Mitschülern gebe ich nichts.“

Seine Cousine Belinda Stey (13) sieht auch die Vorteile des Wander-Lebens: „Es ist abwechslungsreich. Ich will später selber auch Schaustellerin sein.“ Ein Leben ohne Volksfeste kann sich auch Jordan Ams (13) nicht vorstellen. „Ich kenne nichts anderes. Mir gefällt es super.“ Er sei gerne viel unterwegs, in München, Bregenz, Wien, Bern, Ingolstadt zum Beispiel. Im Winter ist er in Gersthofen bei Augsburg zu Hause. Da stehe der Familien-Wohnwagen in einer beheizten Halle. „Ich habe im Wohnwagen mein eigenes Zimmer. Alles ganz normal.“

In Dirndl und Lederhose: Unsere schönen Volksfest-Madln

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Maximilian Steinker (17) geht auf ein Münchner Gymnasium. Seine Eltern betreiben eine Schießbude und leben auch im Winter in München. Das hat für Maximilian den Vorteil, dass er die Schule nicht wechseln muss. Nächstes Jahr will er Abitur machen, vielleicht studieren. Dann steht für ihn aber fest: „Ich übernehme mal die Schießbude“. Da ist er aufgewachsen, das ist sein Zuhause. Das Schausteller-Leben bezeichnet Maximilian als Paradies. Langweilig sei es nie geworden. „Wir dürfen mit allen Fahrgeschäften fahren so viel wir wollen.“ Mit drei Jahren hatte er das erste Mal ein Gewehr in der Hand. Schießen ist für ihn ein Kinderspiel: „Jeder Schuss ein Treffer“.

Seit er auf das Gymnasium geht, war er immer nur in den Sommerferien auf Tournee dabei. Ansonsten lebte er bei einer befreundeten Familie in München, um die Schule besuchen zu können. Während der Wiesn-Zeit bleibe ihm allerdings nicht so viel Zeit zum Lernen, gute Noten habe er trotzdem. „Nachmittags helfe ich am Schießstand.“ Da kämen oft Schulfreunde vorbei. Zum Gratis-Schießen.

dpa

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