Mammendorf - Erst die Tiere, dann er selbst. Nach dieser Devise handelte der Vater eines Mammendorfer Reitstallbesitzers beim Brand am Samstagvormittag. Trotz schlimmer Brandwunden im Gesicht und an den Händen, brachte der 80-Jährige alle 17 Pferde im Freien in Sicherheit.

© Voxbrunner
Der Senior hatte zuerst versucht, das Feuer selbst zu löschen. Dabei hatte er sich die schweren Verletzungen zugezogen. Als er die Sinnlosigkeit seines Unterfangens einsehen musste, wollte er wenigstens die Pferde retten. Inzwischen waren Nachbarn herbeigeeilt. Die dunkle Rauchsäule hatte sie alarmiert. Alle halfen zusammen. Unter den Tieren waren auch besonders wertvolle Trabrennpferde. Erst als die Stuten auf einer Koppel waren, die Hengste in sicherer Obhut, ließ sich der Senior-Chef behandeln. Mit Verbrennungen zweiten Grades wurde er im Rettungshubschrauber in eine Münchner Spezialklinik gebracht.
Der 80-Jährige war im Stall, als das Feuer ausbrach. Er hatte mit einem Heißluftgerät mit Flamme hantiert. Normalerweise benutzt man es etwa dazu, Dachpappe abzudichten. Der Senior hatte versucht, mit dem Gerät, das große Hitze auf kleinem Raum erzeugt, eine Wasserleitung aufzutauen, aus der die Pferde getränkt werden. Dabei hatten Stroh und die Holzverkleidung Feuer gefangen.
Im Gegensatz zu Feuerwehren in anderen Regionen, denen bei der großen Kälte der vergangenen Tage das Löschwasser eingefroren war, hatten die Einsatzkräfte beim Hof an der Eitelsrieder Straße alles im Griff. Huber Stefan erklärt warum: „Das Wasser kommt ja mit einer gewissen Temperatur aus Hydrant oder Tank. Wenn man es ständig am laufen hält, friert es in den Schläuchen nicht. Abdrehen darf man natürlich nicht.“
Auffällig war bei dem Brand, dass die Flammen hauptsächlich aus dem Dachfirst schlugen, und zwar von vorne bis hinten. Das Stalldach verfügt über eine Mechanik, damit es zum Lüften geöffnet werden kann. Ob das die Erklärung für das First-Phänomen ist, kann Kreisbrandmeister Hubert Stefan allerdings nicht bestätigen. Der Konzentration der Flammen ganz oben ist es allerdings zu verdanken, dass die Solaranlage auf dem Stalldach keinen Schaden nahm.
Die genaue Brandursache muss nun die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck klären. Abschließende Erkenntnisse gibt es laut Hans-Peter Kammerer vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord bisher nicht. „Unter anderem konnte die Kripo noch nicht mit dem schwerverletzten Vater des Gestütbesitzers sprechen.“ Wie in solchen Fällen üblich werde aber wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt, auch wenn niemand davon ausgehe, dass jemand die Flammen absichtlich herbeigeführt habe.
Der Hof des Züchters und Traber-Experten Konrad Giggenbach wurde nicht zum ersten Mal das Opfer von Flammen. Bereits im März 2008 brannt eine Lagerhalle mit Stroh und landwirtschaftlichen Maschinen bis auf die Grundmauern nieder. Ursache war damals ein technischer Defekt an einem der Geräte. Der Sachschaden betrug laut Polizei etwa 300 000 Euro. Die Halle wurde inzwischen wieder aufgebaut. Beim Feuer am Samstag im Reitstall schätzt die Kripo den Schaden auf rund 150 000 Euro. Die Pferde wurden vorläufig in umliegenden Gestüten untergebracht.
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