Markt Schwaben - Die Recherchearbeit von Schülern des Franz-Marc-Gymnasiums Markt Schwaben zum Todeszug, der zu Kriegsende von Mühldorf nach Seeshaupt unterwegs war, kommt ins Fernsehen. Jetzt war Vorpremiere.

Vorpremiere in Markt Schwaben: Die Schülerin Sophia Weikel, Filmemacherin Beatrice Sonhüter, die Schüler Max Wieser und Fabian Dietz sowie Lehrer Heinrich Mayer. Der Film wird am 30. April im Bayerischen Fernsehen gezeigt. Foto: dz
Maximilian Wieser, einer von insgesamt sechs ehemaligen Schülern des Franz-Marc-Gymnasiums, die lange im Geschichtsprojekt von Lehrer Heinrich Mayer gearbeitet haben, bringt es auf den Punkt: "Es ist erschreckend zu wissen, was sich einst auf den Bahnsteigen unserer Heimat abgespielt hat." Er hat aktiv mitgewirkt an dem bewegenden Dokumentarfilm "Der Mühldorfer Todeszug - Begegnungen gegen das Vergessen", der jetzt im Theatersaal der Schule uraufgeführt wurde. Für die Öffentlichkeit wird er zu sehen sein am 30. April, 22.30 Uhr, im Bayerischen Fernsehen. Auf den Tag genau 67 Jahre nach dem Gräuel.
Zu Beginn zeigt der 45-Minuten-Streifen, ein Filmdokument mit hohem Gänsehautfaktor, Schienen, über die Gras gewachsen ist, viel Gras. Um jedoch das schreckliche Geschehen auf und neben den Gleisen im April 1945 nicht vergessen zu lassen, haben Regisseurin Beatrice Sonhüter aus Bernried, der 81-jährige Jude Leslie Schwartz und eben jene sechs Schüler eine beeindruckende, lebendige Geschichtsrecherche erstellt.
Deren Agentin Inga Pudenz inspirierte schließlich Filmemacherin Sonhüter zu diesem Projekt. Ihr Film zeigt die Jugendlichen nicht nur, wie sie im Staatsarchiv in München oder in den Rathäusern von Mühldorf oder Poing auf Spurensuche gehen; er zeigt auch, wie die Schüler Leslie Schwartz begleiten auf seiner Tour zu den verschiedenen Stationen des Schreckens.
"Wir erzählen im historischen Präsenz, was damals wirklich geschehen ist", klärt Beatrice Sonhüter auf, "und wir wollen - auch vor dem Hintergrund neonazistischer Bewegungen - mit den Taten von Gestern die Menschen aufrütteln".
Das ist dem TV-Team gelungen: Bewegend die Momente, als etwa Sophia Weikel Hand in Hand mit Leslie Schwartz durch die Trümmerreste des Mühldorfer Bunkers klettert, wie die noch lebende Zeitzeugin Helena Schimpf über das Verstecken der Häftlinge im heimischen Kuhstall erzählt. Schließlich zu Herzen gehend jener Moment, als Leslie Schwartz in einem der Güterwagen für immer Abschied nimmt von seiner Familie.
Wenige Augenblicke später aber ist er wieder völlig gefasst und scheinbar in sich ruhend. Er schildert den Moment, als ihn eine Kugel trifft, oder jenen unfassbaren, tragischen Irrtum, als alliierte Tiefflieger den Todeszug noch unter heftigen Beschuss nehmen, als er bereits an der vermeintlich rettenden Endstation Seeshaupt am Starnberger See eintrifft - die Alliierten hatten einen Waffentransport vermutet.
von Friedbert Holz
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