Ein heißes Thema trotzt dem heißen Sommerabend: Mit rund 20 Besuchern diskutierte Landtagsabgeordneter Ludwig Wörner (2. v. r.) auf Einladung der Holzkirchner SPD um deren Vorsitzenden Hannes Gräbner (r.). Foto: tp

Die Mieten steigen: Was kann die Gemeinde tun?

Holzkirchen - Der Titel für die Diskussion war provokant gewählt: „Darf Wohnen zum Luxus werden?" Die Antwort dürfte parteiübergreifend gleich lauten, selbst in Wahlkampfzeiten. Doch die Preisspirale schraubt sich munter weiter in die Höhe. Die SPD suchte bei ihrem Diskussionsabend nach Auswegen.

Dass der Wohnraum in Ballungsräumen zu teuer wird, bekommen auch Kommunen selbst zu spüren. Etwa wenn sie Mitarbeiter für Kindertagesstätten suchen, die nicht nur rar sind, sondern sich die Mieten kaum leisten können - wenn sie eine Mietwohnung finden. „In den vergangenen zehn Jahren ist der Geschosswohnungsbau in Holzkirchen zum Erliegen gekommen“, fasste sich Gemeinderätin Irmi Ammer auch an die eigene Nase. In der Marktgemeinde ist wie berichtet Schwung in die Debatte gekommen, was die Gemeinde tun kann. Die Holzkirchner SPD hatte sich neben ihren Kandidaten für die anstehenden Wahlen nun den scheidenden Landtagsabgeordneten Ludwig Wörner als Ideengeber geholt.

Mietpreisbremse, Förderprogramme: Der Staat ist in der Pflicht, das steht für Wörner fest. Aber die Kommunen könnten unabhängig davon auch selbst handeln. „Es ist die Frage: Zahle ich Mietbeihilfe lebenslänglich, oder nehme Geld in die Hand und baue?“, so Wörner. „Wenn die ganze Geld-Bevölkerung in Beton flüchtet: Warum die Kommunen nicht?“ Zumal der Wert kaum sinken dürfte.

Im Landkreis stellte SPD-Kreisvorsitzende Christine Negele vor allem im sozialen Wohnungsbau ein Gefälle fest. „Es gibt Gemeinden, die sich dafür zu schön sind.“ Dadurch steige der Druck auf Hausham und Holzkirchen, die das Gros dieser Wohnungen aufweisen. Bundestagsabgeordneter Klaus Barthel ging in seiner Kritik noch weiter: „Bei uns ist das Problem, dass viele Gemeinden sagen, wir wollen keinen Geschosswohnungsbau zulassen, sonst zieht das Gschwerl her.“ Dass dabei ein Umdenken stattfinden muss, findet auch Elisabeth Dasch. „Wir brauchen Geschosswohnungsbau, für ältere und auch für junge Paare“, betonte die Gemeinderätin. „Der Fokus auf Einfamilienhäuser ist für die Bevölkerungsstruktur ungesund.“

Auch ohne selbst zu bauen könnten die Kommunen lenkend eingreifen, zeigte Wörner auf: indem sie bei der Baulandausweisung Regelungen treffen oder, statt Grundstücke zu verkaufen, diese in Erbpacht vergeben, um etwa die Miethöhe mitsteuern zu können.

Den Königsweg bilden für Wörner aber Baugenossenschaften. Er ist nicht nur Fan des demokratischen und solidarischen Modells, sondern auch Vorstandsmitglied einer Münchner Wohnungsgenossenschaft. Deren Mieten, quasi Mitgliedsbeiträge, liegen deutlich unter denen auf dem freien Markt - und werfen doch Gewinne ab, die der Genossenschaft zugute kommen, etwa bei Sanierungen, bestätigte auch der Vorsitzende der einzigen Holzkirchner Baugenossenschaft und frühere CSU-Gemeinderat Bernd Weinmann sen. Für Gemeinderat Hans Putzer ist das Modell einer von zwei Wegen aus der Mietpreis-Spirale: „Geschosswohnungsbau bringt für den Mietpreis nur dann etwas, wenn er kommunal oder von einer Baugenossenschaft umgesetzt wird.“

Doch für die meisten Baugenossenschaften gilt ein Aufnahmestopp, die Wartelisten sind lang. „Die Kommunen müssen überlegen, wie man mit Genossenschaften operieren kann“, forderte Wörner. „In München gibt es 30 Baugenossenschaften - in Holzkirchen ist es eine.“ (ag)

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen